Ein Fasten, wie ich es liebe

Par Brigtte :: 13/05/2008 à 14:12 :: Fasten

Viel zu viele Menschen in der Welt leiden Hunger. Und viel zu wenige kennen die Freude, die einem zuteil wird, wenn man so fastet, wie der Herr es wünscht.
Natürlich wird in beiden Fällen dem Körper die Nahrung versagt, doch sind Hungern und Fasten so weit voneinander entfernt wie das automatische Aufsagen eines auswendig gelernten Gebets von wahrer Kommunikation mit dem Vater im Himmel.
Was ist Fasten also, und welche Segnungen können uns zuteil werden, wenn wir nach diesem göttlichen Grundsatz leben?
Sehen wir uns die Segnungen einmal an. Schon im Alten Testament lesen wir vom Fasten, und eine der schönsten und aufschlußreichsten Schriftstellen dazu entstammt Jesajas Feder: „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.
Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier hin ich . Wenn du dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf, und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.
Der Herr wird dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren Wasser niemals versiegt.” (Kap. 58:6-11.)
Jesaja sagt hier im wesentlichen: Wenn wir nach dem Grundsatz des Fastens leben, werden wir bessere Menschen, der Herr steht uns dann nämlich in all unseren rechtschaffenen Anstrengungen zur Seite, und das ist doch ein Segen, nach dem zu trachten es sich lohnt.
Sehen wir aber noch einmal die erste Frage an? Was ist Fasten? Gehört dazu bloß, daß man einmal im Monat nichts ißt und trinkt?
Der Erretter bezeichnet das Fasten als Sichfreuen. In einer Offenbarung an den Propheten Joseph Smith sagt er: „An diesem Tag sollst du nichts anderes tun als mit Herzenslauterkeit deine Speise bereiten, damit dein Fasten vollkommen sei oder, mit anderen Worten, damit deine Freude vollständig sei.
Wahrlich, das ist Fasten und Beten oder, mit anderen Worten, Sichfreuen und Beten.” (LuB 59:13, 14.)
Der Herr bezeichnet das Beten hier interessanterweise als wesentlichen Bestandteil des Fastens oder Sichfreuens. Wenn wir uns durch Fasten demütigen, wird unser Beten noch zusätzlich verstärkt, und wir werden empfänglicher für die Weisung des Geistes. Das Beten macht unser Fasten zielgerichtet und gibt ihm einen bestimmten Zweck, so daß mehr daraus wird als bloßes „Hungern”.
Wenn wir unser Fasten mit Beten begleiten, geben wir uns dem Herrn in die Hand; wir zeigen ihm, daß wir bereit sind, seinen Rat zu befolgen, und daß wir uns bereitmachen für ein Festmahl im geistigen Sinn.
Fasten kann Geist und Körper erquicken. Es kann uns helfen, mit dem Herrn und mit unseren Brüdern und Schwestern in Einklang zu stehen.
Es kann unsere Verstandeskräfte beleben, und es kann uns helfen, daß wir denen, die weniger glücklich sind als wir – denen, die buchstäblich körperlich und geistig hungern – mit mehr Einfühlungsvermögen begegnen.
Wie bei Jesaja zum Ausdruck kommt, war es auch zu seiner Zeit üblich, zu fasten, um den Armen zu helfen. Diesen Grundsatz hat der Herr in diesen Letzten Tagen durch den Propheten Joseph Smith wieder eingeführt. Ursprünglich fiel der Fasttag auf den ersten Donnerstag im Monat, und das Essen, das man sonst an dem Tag verzehrt hätte, wurde zur Fastversammlung mitgebracht, um an die Bedürftigen verteilt zu werden. Später wurde der Fasttag von Donnerstag auf Sonntag verlegt.
Heute erwartet der Herr statt der Lebensmittelspende, daß die Mitglieder der Kirche den Betrag spenden, den sie für die beiden Mahlzeiten ausgegeben hätten, die sie während des Fastens nicht gegessen haben. Präsident Kimball fordert allerdings alle Mitglieder auf, die finanziell dazu in der Lage sind, mehr als den bloßen Gegenwert der Mahlzeiten zu spenden, auf die sie verzichtet haben. Auf der Generalkonferenz im April 1974 hat er gesagt:
„Ich glaube, wir sollten sehr großzügig sein und statt des Betrags, den wir durch das Auslassen von zwei Mahlzeiten eingespart haben, vielleicht viel, viel mehr geben – zehnmal soviel, wenn wir das können.”
Zwar fasten wir grundsätzlich am ersten Sonntag im Monat, doch ist es auch bei anderen Gelegenheiten angebracht zu fasten. Wenn wir fasten, weil wir irgendein besonderes Anliegen haben, können uns daraus große geistige Segnungen erwachsen.
Eltern können beispielsweise dafür fasten, daß ihr krankes Kind wieder gesund wird. Man kann fasten, während man sich auf eine Prüfung vorbereitet oder während man die Prüfung ablegt, damit man einen klaren Kopf hat und empfänglich ist für Inspiration. Wenn man berufen wird, eine Hilfsorganisation zu leiten, kann man fasten, um zu erkennen, wen einem der Herr als Ratgeber zugedacht hat. Als Lehrer kann man fasten, wenn man sich auf einen besonders schwierigen Unterricht vorbereitet. Als Ehemann und Vater kann man fasten, wenn es um die Entscheidung geht, ob man sich um eine neue Stelle bewerben oder auch zu einem anderen Beruf umschulen lassen soll. Und wie Alma in alter Zeit können wir fasten, wenn wir nach dem Geist der Offenbarung trachten. (Siehe Al 5:46.)
Ein solches Fasten braucht nicht lange zu dauern. Es darf nicht gesundheitsschädlich sein, und langes Fasten kann dem Körper wesentliche Nährstoffe entziehen. Es kann sein, daß manche Menschen, die an einer chronischen Krankheit leiden, nicht fasten sollten. Wer aber fasten würde, wenn er könnte, ist dem Herrn bekannt, und der Herr segnet ihn um seiner Herzensabsicht willen mit dem Geist des Fastens.
Präsident Joseph F. Smith hat einmal darüber gesprochen:
„Der Herr hat das Fasten auf eine vernünftige und verständliche Grundlage gestellt, und er tut nichts, was zwecklos oder ohne Weisheit wäre. Sein Gesetz ist in dieser Hinsicht ebenso vollkommen wie in anderen Bereichen. Darum wird von einem jeden, der dazu imstande ist, die Befolgung des Gesetzes verlangt; er kann sich dieser Verpflichtung nicht entziehen. Man muß sich aber vor Augen halten, daß das Einhalten des Fasttags durch ein 24stündiges Nichtessen und Nichttrinken keine unumstößliche Regel ist, keine eiserne Vorschrift, sondern es bleibt den Mitgliedern als Gewissenssache überlassen, hier Weisheit und Urteilsvermögen walten zu lassen. Viele leiden an Körperschwäche, haben einen zarten Gesundheitszustand oder stillen ein Kind; von diesen soll man nicht verlangen, daß sie fasten. Auch sollen die Eltern ihre kleinen Kinder nicht zum Fasten zwingen. Ich habe erlebt, daß Kinder am Fasttag vor Hunger geweint haben. So ein Fasten hilft den Kindern überhaupt nicht. Statt dessen haben sie vor dem nächsten Fasttag Angst und begrüßen ihn nicht, sondern verabscheuen ihn. Der Zwang weckt außerdem in ihnen eine widerspenstige Haltung, nicht aber die Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Es ist besser, sie den Grundsatz zu lehren und dann die Befolgung erst von ihnen zu verlangen, wenn sie alt genug sind, sich selbst vernünftig zu entscheiden. Das ist besser als sie zwingen.” (Evangeliumslehre, 1970, S. 274.)
Fasten hilft uns, demütig zu werden wie ein kleines Kind. Es hilft uns, das zu schätzen, was wir haben. Es hilft uns, den irdischen Körper, mit dem wir gesegnet sind, besser zu beherrschen. Und wenn wir unseren Glauben durch Fasten bekunden, segnet uns der Herr über die Maßen.
In der Wohlfahrtsversammlung der Frühjahrs-Generalkonferenz 1971 erzählte Präsident Marion G. Romney, Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, davon, wie er von Elder Melvin J. Ballard als Missionar eingesetzt worden war. Er sagte, er habe aus diesem Segen sehr viel gelernt. Elder Ballard habe erklärt, man könne dem Herrn keine Brotkruste geben, ohne dafür einen ganzen Laib zurückzubekommen.
„Und das habe ich auch erfahren”, bezeugte Präsident Romney. „Wenn die Mitglieder der Kirche ihr Fastopfer verdoppeln würden, würde auch die geistige Gesinnung doppelt stark.”
Was geschieht mit dem Fastopfer? Der Bischof bzw. Zweigpräsident verwendet die gespendeten Geldmittel dazu, denen in seiner Herde zu helfen, die sich nicht selbst helfen können, und er tut das mit Gebet. Er weiß, er muß dem Herrn Rechenschaft darüber ablegen, wie er die Spenden verwendet hat. Er muß sie weise verwalten und sich vergewissern, ob die beabsichtigten Empfänger solcher Hilfe auch würdig sind. Er muß sich vergewissern, daß sie alle übrigen Hilfsquellen in der näheren oder entfernten Verwandtschaft ausgeschöpft haben. Im vertraulichen Gespräch stellt er fest, was das Mitglied an Lebensmitteln, Kleidung und Wohnraum braucht.
Die Hilfe aus dem Fastopferfonds ist aber nicht ganz und gar als Geschenk zu betrachten. In dem Gespräch beschließen der Bischof und der Empfänger auch, wie die Rückzahlung geieistet werden soll, ob in Form von Dienst- oder Arbeitsprojekten oder später in großzügigen Fastopferspenden.
Wenn der Bischof bzw. Zweigpräsident am Monatsende noch einen Überschuß an Fastopfergeldern hat, so leitet er diesen an den Pfahl- bzw. Distriktpräsidenten weiter, der das Geld bei Bedarf an andere Gemeinden weitergeben kann. Wenn im Pfahl kein Bedarf daran besteht, wird der Überschuß dann an den Hauptsitz der Kirche überwiesen, um in bedürftigen Gebieten verteilt zu werden.
Wenn wir also nach dem Grundsatz des Fastens leben und ein großzügiges Fastopfer geben, werden nicht nur wir selbst gesegnet, sondern wir gereichen auch unseren Mitmenschen zum Segen. Von diesen Segnungen können wir am Fastsonntag Zeugnis geben, und ein Zeugnis, das an diesem besonderen Sonntag gegeben wird, hat mehr Kraft und Stärke, und die Gemeinde ist wohl an diesem Tag empfänglicher für die Eingebungen des Geistes.
Auch in alter Zeit lehrte der Herr seine Jünger, sie sollten füreinander dasein: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.” (Mt 25:40.)
Wenn wir uns diese Aussage des Erretters ins Gedächtnis zurückrufen und erkennen, was wir unseren Mitmenschen Gutes tun, müssen wir auch darüber nachdenken, was uns persönlich und als Gemeinschaft Gutes zuteil wird, wenn wir den Grundsatz des Fastens befolgen.
Helaman berichtet von den Nephiten: „Sie fasteten und beteten oft und wurden in ihrer Demut stärker und stärker, wurden immer standhafter im Glauben an Christus, so daß ihre Seele mit Freude und Trost erfüllt wurde, ja, so daß ihr Herz gereinigt und geheiligt wurde, und diese Heiligung kommt zustande, wenn man sein Herz Gott hingibt.” (He 3:35.)
Wir müssen jeder selbst entscheiden, ob und wie wir fasten wollen. Wir können uns dafür entscheiden, widerwillig zu fasten, und uns mit dem „Hungern” begnügen. Oder wir können großzügig fasten und uns am Fasten freuen, uns freuen an der Zustimmung des Herrn und für uns selbst und für unsere Mitmenschen den Segen ernten. Wer das letztere erlebt hat, wird wohl niemals wieder mit Widerwillen fasten.
David Mitchell, November 1981


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