Fasttag

Par Brigtte :: 23/05/2008 à 15:24 :: Fasten
(155. Herbst-Generalkonferenz, Präsident Howard W. Hunter, der Stern Nr. 2 1986)
Wenn heute nicht Generalkonferenz wäre, würden wir jeder in seiner Gemeinde den Fastgottesdienst besuchen, weil es ja der erste Sonntag im Monat ist. Wir würden nicht nur den Gottesdienst besuchen, sondern auch entsprechend dem gewohnten Brauch der Mitglieder fasten. In dieser Hinsicht ist die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage einzigartig, wenngleich das Prinzip des Fastens im Verlauf der Religionsgeschichte schon immer befolgt worden ist.
Aus den uns vorliegenden Berichten scheint es unmöglich festzustellen, unter was für Umständen das Fasten in alter Zeit aufgekommen ist oder was für einem Zweck es anfänglich gedient hat. Aber es gibt Hinweise darauf, daß schon in frühester Zeit gefastet wurde, um Kummer oder eine Gemütsbewegung auszudrücken. Das Fasten ging mit der ernsthaften, tiefempfundenen Traurigkeit wegen Sünde einher, mit Zeiten der Trauer und mit Anlässen starker Gefühlsaufwallung.
Die frühen Israeliten praktizierten das Fasten; aber es gibt nur wenig Hinweise darauf. Gewöhnlich finden sich diesbezügliche Andeutungen im Zusammenhang mit irgendeinem besonderen Anlaß oder in Verbindung mit dem Bestreben, Mitteilungen von Gott zu erhalten, wie es bei Mose und Elija der Fall war. (Siehe Exodus 34:28; 1 Könige 19:8.)
Vor der Verbannung wird nur wenig von einem Fasten des ganzen Volkes Israel berichtet, ausgenommen das Fasten, das aufgrund besonderer Anlässe gehalten wurde, wie etwa beim Tod Sauls und Jonatans. (Siehe 1 Samuel 31:13; 2 Samuel 1:12.) Es gab noch anderes öffentliches Fasten mit dem Zweck, für bevorstehende Kriege oder Schlachten göttlichen Beistand zu erwirken. (Siehe Richter 20:26; 2 Samuel 14:24:2 Chronik 20:3.) Man darf annehmen, daß Mose gefastet hat, weil er das Fasten erwähnt; aber er hat in seinen Schriften irgendwelches besonderes Fasten nicht befürwortet.
Nach der Verbannung fing man aber mit der Befolgung öffentlichen und privaten Fastens an, manchmal in Verbindung mit Wehklagen und dem Tragen von Sackleinen und Asche. Der wichtigste Fasttag war der jährliche Versöhnungstag. Die judaistischen Frommen machten es sich auch zur Gewohnheit, zweimal pro Woche zu fasten  am zweiten und am fünften Tag, weil Mose an diesen Tagen auf den Berg Sinai gestiegen und wieder herunter gekommen war.
Vor Beginn des christlichen Zeitalters findet sich bei den extremen Gruppen der Juden, vornehmlich bei den Pharisäern, eine starke Hingabe an das Fasten; doch Jesus gab seinen Jüngern keine besonderen Anweisungen in bezug auf die Art und Häufigkeit des Fastens. In der Bergpredigt sagt er allerdings: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler.” (Matthäus 6:16.) Damit ist wohl gemeint, daß bei der Befolgung des Fastens Aufrichtigkeit vorherrschen sollte. Er selbst fastete vierzig Tage und vierzig Nächte. (Siehe Matthäus 4:2.)
Vieles, was die Kirche zur Zeit Christi eingeführt hatte, wurde nach dem Tod des letzten Apostels abgeändert oder verdorben. Fasten und Beten war bisher freiwillig gewesen, aber mit der Zeit wurde es kirchlichen Regeln und Anordnungen unterworfen, denen alle Zugehörigen zu gehorchen hatten, wollten sie nicht wegen Ungehorsams exkommuniziert werden.
Als sich die ersten Siedler an der Ostküste Amerikas niederließen, befolgten sie nicht die üblichen Fastenzeiten der Kirchen, von denen sie sich abgesetzt hatten. Sie legten ihre eigenen Fasttage fest, und davon haben sich manche bis in die heutige Zeit erhalten. Einige davon wurden sogar von der gesetzgebenden Körperschaft oder öffentlichen Amtsträgern gefördert.
Viele der ersten Mitglieder unserer Kirche kamen aus Neuengland oder entstammten der religiösen Umwelt der Siedler, und Fasten gehörte zu ihrem Glauben. Infolgedessen war es wohl so, daß viele das Bedürfnis nach einer engen Verbindung mit dem himmlischen Vater hatten. Sie hielten sich an die Lehre Jesu, daß man heimlich fasten solle (siehe Matthäus 6:17f.), aber in der Frühgeschichte der Kirche findet man keine Erwähnung dieses Prinzips.
Die neuzeitliche Offenbarung, die im Buch ,Lehre und Bündnisse' enthalten ist, sagt über das Fasten nur wenig aus und erteilt auch keine besonderen Anweisungen dazu. Eineinhalb Jahre nach der Gründung der Kirche empfing der Prophet Joseph Smith eine Offenbarung, die sich auf die Heiligung des Tages des Herrn bezieht und nebenbei auch das Fasten erwähnt, allerdings ohne zusätzliche Bemerkungen. Die genannte Stelle lautet:
„Und an diesem Tag sollst du nichts anderes tun als mit Herzensabsicht deine Speise bereiten, damit dein Fasten vollkommen sei oder, mit anderen Worten, damit deine Freude vollständig sei.
Wahrlich, das ist Fasten und Beten oder, mit anderen Worten, Sichfreuen und Beten.” (LuB 59:13f.)
Das ist ein Widerhall aus der Zeit des Alten Testaments, und das Prinzip des Fastens im Geist des Betens wird in unserer Evangeliumszeit bekräftigt.

Im Jahr darauf erging eine ausführlichere Offenbarung zu diesem Thema, worin der Herr sagte: „Auch gebe ich euch das Gebot, von dieser Zeit an in Beten und Fasten zu beharren.” (LuB 88:76.)
Vor dieser Zeit war in der Kirche nicht regelmäßig gefastet worden. Der Wortlaut der Offenbarung, nämlich „von dieser Zeit an in Beten und Fasten zu beharren”, mag wohl auf die Einführung von Fastversammlungen hinweisen, aber augenscheinlich gab es keine solchen bis der Kirtland-Tempel im Jahre 1836 gebaut wurde.
Das Fasten wird nur in einer einzigen weiteren neuzeitlichen Offenbarung erwähnt, und zwar im Zusammenhang mit dem Bau des Kirtland-Tempels und im Weihungsgebet, worin der Tempel als „ein Haus des Betens ein Haus des Fastens" bezeichnet wir (LuB 88:119:95:7,16 und 109:8,16). Im Buch Mormon finden sich häufig diesbezügliche Bemerkungen; es handelt sich dabei aber wie bei der Bibel um Schriften aus alter Zeit. Die heilige Schrift unserer Evangeliumszeit gibt uns wenig Auskunft.
Es ist uns nicht bekannt, wann die Kirche das Fasten als regelmäßigen Brauch ein einführt hat, aber es gibt Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, daß im Kirtland-Tempel 1836 einige Fastversammlungen am ersten Donnerstag jedes Monats abgehalten wurden. Es gibt keinen Hinweis darauf, daß dieses Fasten mit Spenden an die Armen verbunden gewesen wäre, außer einer Bemerkung von Brigham Young, die er mehr als 30 Jahre danach in Salt Lake City machte. Er sagte folgendes:
„Sie wissen, daß wir jeden ersten Donnerstag im Monat fasten. Wie viele von den Anwesenden wissen, woher dieser Tag stammt? Ehe der Zehnte gezahlt wurde, unterstützte man die Armen mit freiwilligen Gaben. In Kirtland kamen sie zu Joseph und wollten Hilfe haben, und er sagte, es solle einen Fasttag geben; so wurde es beschlossen.
Einmal im Monat sollte er gehalten werden – wie es auch heute ist –, und alles, was an dem Tag gegessen worden wäre, Mehl, Fleisch, Butter, Obst, sollte zur Fastversammlung mitgebracht und jemandem übergeben werden, der dazu bestimmt worden war, sich dieser Sachen anzunehmen und sie an die Armen zu verteilen.” (Journal of Discourses, 12:115.)
Obwohl Brigham Young gesagt hat, daß damals ein derartiger Brauch beschlossen wurde, gibt es keinen Bericht darüber, ob ihm jemals Folge geleistet wurde.
In Nauvoo wurde gelegentlich aus irgendeiner besonderen Absicht heraus gefastet, jedoch nicht regelmäßig. Erst 1845 wurde in Nauvoo ein Fasttag angesetzt, um den Armen zu helfen. In den Aufzeichnungen zur Geschichte der Kirche findet sich die folgende Anmerkung Brigham Youngs:
„Donnerstag, den 15.... Fasttag: Alle Arbeiten wurden eingestellt. In den einzelnen Gemeinden fanden Versammlungen statt, und die Bischöfe erhielten Gaben für die Armen. Es kam genitg zusammen, um den Bedarf der Armen bis zur Ernte zu decken.” (History of the Church, 7:411.)
Spezielle Fasttage zu verschiedenen Zwecken wurden während des Auszugs aus Nauvoo gehalten, und als die Heiligen im Salzseetal angekommen waren, wurde einige Male am ersten Donnerstag jedes Monat gefastet. Es läßt sich nicht feststellen, wann ein regelmäßiger Fasttag eingeführt wurde. In den schwierigen Jahren 1855 und 1856 befanden sich die Heiligen in einer verzweifelten Lage, weil es eine lange Dürre und Hungersnot gegeben hatte, dazu einen ungewöhnlich harten Winter und die Heuschreckenplage. Brigham H. Robert weiß darüber folgendes zu berichten:
„Um der besonders großen Notwendigkeit von Mildtätigkeit zu entsprechen, die in diesen Jahren von den Heiligen gefordert wurde, kam unser Fasttag auf; die Knechte des Herrn setzten den ersten Donnerstag jedes Monats als Fasttag fest, und das, was durch dieses Opfer eingespart wurde, sollte mitgebracht und denen zugewiesen werden, die sich sonst in Not befunden hätten. Dieser Plan zur Behebung von Notständen wurde eine feste Einrichtung.” (GK, April 1913.)
Vor dieser Zeit wurden die Armen mit Spenden unterstützt, jetzt aber verband sich die Sorge für die Armen mit dem Fasttag, und was gespendet wurde, bezeichnete man als Fastopfer, das jeden Monat in die Fastversammlung mitgebracht wurde. Von dieser Frühzeit an, als die Heiligen in die Gebirgstäler kamen, bis zum Jahre 1896 wurde regelmäßig an jedem ersten Donnerstag im Monat ein Fasttag gehalten, und die Gaben, hauptsächlich in Form von Lebensmitteln und anderen Sachwerten, wurden dabei abgeliefert. Am Anfang, als es nur wenige Mitglieder der Kirche gab, bereitete die Abhaltung eines Fasttags am Donnerstag keine Schwierigkeiten, mit der Zeit aber war es erforderlich geworden, daß Angestellte sich den Tag freinahmen, um in die Versammlung zu gehen; Kaufleute mußten ihren Laden schließen, und viele weitere Schwierigkeiten ergaben sich daraus, daß der Fasttag auf einen Wochentag fiel.
So trafen die Erste Präsidentschaft und die Zwölf die Entscheidung, daß der Fasttag immer am ersten Sonntag des Monats zu halten sei. Der erste Sonntag im Dezember 1896 war der Tag, an dem die Änderung stattfand. Seither, fast ein Jahrhundert lang, wird der Fasttag mit wenigen Ausnahmen als religiöser Brauch am ersten Sonntag des Monats gehalten.
Die Mitglieder der Kirche können jederzeit fasten, wenn sie das Bedürfnis dazu spüren, aber das Fasten, das an dem genannten Tag beachtet werden soll, wird von Präsident Joseph F. Smith wie folgt definiert: „Vierundzwanzig Stunden lang soll keine Speise, kein Getränk genossen werden, von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang.': Diese letztere Zeitbestimmung wird inzwischen so gedeutet, daß man sich zweier Mahlzeiten enthalten soll – vom Abendessen des Vortags bis zum Abendessen des Fasttags. Präsident Smith fährt dann fort:
„Der Hauptzweck des Fastens unter den Heiligen der Letzten Tage lag außerdem vor allem darin, die Armen mit Speise und allem Notwendigen zu versorgen. Es obliegt daher jedem Heiligen der Letzten Tage, seinem Bischof am Fasttag die Lebensmittel zu übergeben, die er und seine Familie sonst verzehrt hätten, damit sie den Armen zum Wohl und Segen gereichen; statt dessen kann es auch der entsprechende Geldbetrag sein – und wenn es sich um ein wohlhabendes Mitglied handelt, eine großzügige Spende –, der für die Armen verwandt wird.” (Improvement Era, Dezember 1902, Seite 148.)
Sind wir nicht wohlhabend, wenn der Herr uns mit etwas gesegnet hat, was wir mit anderen teilen können?
Wenn wir uns durch das Fasten in Zucht nehmen, bringt uns das in Einklang mit Gott, und der Fasttag gibt uns Gelegenheit, das Zeitliche beiseite zu setzen, um uns der höheren Werte des Geistigen zu erfreuen. Wenn wir an dem bestimmten Tag fasten, lernen wir, die Bedürfnisse der Menschen besser zu verstehen, denen es nicht so gut geht.
Möge der Herr uns segnen, während wir nach seinen Geboten leben und mit unseren Brüdern und Schwestern teilen. Das erbitte ich demütig im Namen Jesu Christi. Amen.

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