Das Gesetz des Fastens

Par Brigtte :: 23/05/2008 à 17:34 :: Fasten
Elder L. Tom Perry vom Kollegium der Zwölf Apostel, Frühjahrs-Generalkonferenz 1986
„Ach, wo ist unser Glaube? Ach, wie wir uns von den Segnungen des Herrn ausschließen, wenn wir kein großzügiges Fastopfer spenden.”
Die heiligen Schriften lehren uns immer und immer wieder auf großartige Weise, wie töricht es ist, wenn die Menschen die Wege des Herrn verlassen und sich auf den Arm des Fleisches stützen. Eines können wir im Leben ganz sicher wissen, nämlich daß sich im Menschenleben gute und schlechte Zeiten immer wieder abwechseln. Viele unserer Familiengeschichten enthalten doch ähnliche Erlebnisse wie die folgenden.
„Wirtschaftlich ging es in unserer Familie mal aufwärts, mal abwärts. Wie so vielen US-Amerikanern ging es uns in den zwanziger Jahren gut. Mein Vater begann, im Immobiliengeschäft viel Geld zu verdienen, neben seinen anderen Geschäften. Ein paar Jahre lang waren wir richtig wohlhabend. Doch dann kam die Weltwirtschaftskrise.
Niemand, der sie miterlebt hat, wird sie je vergessen. Mein Vater hät sein ganzes Geld verloren, und wir haben fast unser Haus verloren. Ich weiß noch, daß ich meine Schwester, die ein paar Jahre älter war als ich, gefragt habe, ob wir wohl ausziehen müßten und wie wir eine andere Wohnung finden sollten. Ich war damals erst sechs, sieben Jahre alt, aber die Angst vor der Zukunft, die ich empfand, ist mir noch lebhaft im Sinn. Schlechte Zeiten sind unauslöschlich – sie bleiben für immer haften.” (Lee Iacocca und William Novak, lacocca: An Autobiography, New York, 1984, Seite 7.)
Doch so gewiß wir uns darauf verlassen können, daß Veränderungen zum Leben gehören, so gewiß können wir sein, daß wir Kinder des ewigen Vaters im Himmel sind. Als erhabenes Vorbild eines gütigen und liebenden Vaters hat er seinen Kindern deutlich den Weg vorgezeichnet, den sie gehen sollen und auf dem sie in seine Gegenwart zurückkehren können.
Er hat den Weg mit wahren Prinzipien markiert, die alle Zeiten überdauern. Heute nachmittag haben wir in dieser Versammlung der Generalkonferenz bereits die Wohlfahrtsprinzipien erörtert, die uns im Laufe der letzten fünfzig Jahre offenbart worden sind und an die wir uns halten sollen.
Es gibt noch einen weiteren Grundsatz, der für den Wohlfahrtsplan grundlegend ist und auf den ich heute eingehen möchte, nämlich das Gesetz des Fastens. Wenn ich mich mit den Grundsätzen, die der Herr uns zu befolgen auferlegt, beschäftige, staune ich immer, wie einfach sie im Grunde sind, wie leicht zu beachten und wie segensreich, wenn wir uns daran halten.
Das Gesetz des Fastens gehört zu den Grundgesetzen der Kirche. Jesaja hat verkündet:
„Das ist ein Fasten, wie ich es liebe:.. . an die Hungrigen dein Brot auszuteilen.” (Jesaja 58:6,7.)
Wie viele andere biblische Bräuche auch hat der Herr das Fasten in unserer Zeit durch den Propheten Joseph Smith wieder eingeführt.
Das Gesetz des Fastens hat dreierlei zum Ziel. Erstens werden mit dem Fastopfer, das den Wert der Mahlzeiten darstellt, auf die wir verzichten, die Bedürftigen unterstützt. Zweitens nützt das Fasten unserem Körper. Drittens macht es den Menschen demütiger und stärkt seine geistige Gesinnung.
Ein wichtiger Grund für das Fasten ist, daß wir den Gegenwert der eingesparten Mahlzeiten für die Armen und Bedürftigen spenden. Eine der eindringlichsten Ermahnungen des Herrn an seine Kinder auf Erden betrifft unsere Pflicht gegenüber den Bedürftigen. König Benjamin hat in seiner großartigen Rede gesagt: „Und nun, um deswillen, was ich zu euch gesprochen habe – das heißt, damit ihr von Tag zu Tag Vergebung für eure Sünden empfangen mögt, so daß ihr ohne Schuld vor Gott wandeln könnt –, möchte ich, daß ihr eure Habe mit den Armen teilt, ein jeder gemäß dem, was er hat, nämlich die Hungrigen zu speisen, die Nackten zu kleiden, die Kranken zu besuchen und sich ihrer anzunehmen, geistig ebenso wie zeitlich, gemäß ihren Bedürfnissen.” (Mosia 4:26.)
Müssen wir daran erinnert werden, daß zu unserem Taufbündnis das Versprechen gehört, daß wir einer des anderen Last tragen wollen, damit sie leicht sei, daß wir mit den Trauernden trauern und diejenigen trösten wollen, die Trost brauchen? (Siehe Mosia 18:8,9.)
Das System, das der Herr zur Wohlfahrt der Armen und Bedürftigen geschaffen hat, beeindruckt mich immer mehr. Gewiß könnte sich kein Mensch eine so einfache und doch tiefgreifende Methode zur Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse ausdenken: Das regelmäßige Fasten gereicht uns in geistiger und in zeitlicher Hinsicht zum Segen; zugleich spenden wir den Gegenwert der eingesparten Mahlzeiten dem Bischof, der ihn für die Armen, Kranken und Notleidenden verwendet, die Hilfe und Unterstützung brauchen.
Präsident Clark hat gesagt: „Das Grundprinzip aller Hilfsmaßnahmen der Kirche ist, daß sie durch das Fastopfer und die anderen freiwilligen Spenden finanziert werden. Das ist die Ordnung, die der Herr aufgestellt hat. Der Zehnte ist nicht in erster Linie für diesen Zweck bestimmt und darf nur im äußersten Notfall dafür verwendet werden." (J. Reuben Clark jun., am 3. April 1971 von Marion G. Romney zitiert.)
Im Laufe der Religionsgeschichte stellen wir immer wieder fest, daß der Herr die Menschen segnet, wenn sie sich der Armen und Bedürftigen annehmen. Von der Zeit des Hiskija lesen wir in der Schrift:
„Ebenso brachten die Israeliten und die Judäer ... den Zehnten von den Rindern und Schafen sowie den Zehnten von den Weihegaben, die dem Herrn, ihrem Gott, übergeben wurden. Sie reihten Stapel an Stapel.
Als dann Hiskija und die führenden Männer kamen und die aufgestapelten Mengen sahen, priesen sie den Herrn und sein Volk Israel.
Hiskija erkundigte sich bei den Priestern und den Leviten wegen der aufgestapelten Mengen.” (2. Chronik 31:6,8,9.)
Er erhielt zur Antwort: „Seitdem man begonnen hat, die Abgaben in das Haus des Herrn zu bringen, haben wir zu essen, werden satt und lassen noch reichlich übrig; denn der Herr hat sein Volk gesegnet. Diese Menge ist übriggeblieben.” (2. Chronik 31:10.)
Wir haben heute schon viel über Präsident Romney und seine Aussagen zum Wohlfahrtsprogramm gesagt. Ich möchte dem noch eine Aussage hinzufügen:
„Ich stimme dem ganz und gar zu, was der Bischof dazu gesagt hat, daß wir freigebig für den Fastopferfonds und für jeden anderen Fonds spenden sollen, den die Kirche uns ans Herz legt. Ich glaube fest daran, daß es einem finanziell nicht schlechter geht, wenn man für die Kirche und den Aufbau des Gottesreiches gibt. Ich weiß noch, wie Bruder Ballard mir vor langer Zeit, vor über fünfzig Jahren, die Hände aufgelegt und mich als Missionar eingesetzt hat. Er hat in seinem Segen gesagt, wenn man dem Herrn eine Brotkruste gebe, werde man einen ganzen Laib Brot zurückbekommen. Die Erfahrung habe ich auch gemacht. Wenn die Mitglieder der Kirche ihre Fastopferspende verdoppeln würden, würde auch ihre geistige Gesinnung doppelt so stark. Das müssen wir im Sinn behalten und freigebig spenden.” (Wohlfahrts- und Landwirtschaftsversammlung, 3. April 1971.)
Angesichts all dieser Verheißungen, die der Herr im Verlauf des menschlichen Daseins auf der Erde immer wieder ausgesprochen hat, ist es doch schockierend, daß manchmal auf den Zehntenfonds der Kirche zurückgegriffen werden muß, um die Defizite im Fastopferfonds auszugleichen. Ach, wo ist unser Glaube? Ach, wie wir uns von den Segnungen des Herrn ausschließen, wenn wir kein großzügiges Fastopfer spenden.
Bringen wir doch den Glauben auf, den Herrn dazu zu verpflichten, daß er sein Volk segnet, weil wir seine Anordnung befolgen, für unsere Armen und Bedürftigen zu sorgen, indem wir ein großzügiges Fastopfer spenden.
Das Fasten nützt auch unserem Körper. Vor einiger Zeit habe ich in der Zeitschrift Science News einen Artikel von Charles L. Goodrich gelesen, in dem stand, daß sich das reichliche Essen, wie es heutzutage üblich ist, nicht nur im Aussehen bemerkbar macht. Zahlreiche Tierstudien haben ergeben, daß eine frühzeitige Einschränkung der Kalorienzahl die Lebenserwartung erhöht und das Risiko bestimmter Krankheiten vermindert.
Es gibt auch Beweise dafür, daß regelmäßiges Fasten gesundheitsfördernde Auswirkungen hat. Einige Experimente haben erwiesen, daß regelmäßiges Fasten nicht nur die Lebenserwartung erhöht, sondern auch die Aktivität in den späteren Jahren fördert. (Siehe Science News, 1. Dezember 1979, Seite 375.)
Außerdem ist das Fasten eine der besten Möglichkeiten, uns in Selbstzucht zu üben. Platon hat gesagt: „Der erste und beste Sieg ist der über uns selbst; es gibt nichts Beschämenderes und Übleres, als von sich selbst besiegt zu werden.” (Gesetze, 1. Buch, Abschnitt 626E.)
Das Fasten hilft uns, Selbstbeherrschung selbst zu sein.
Wir können dem also wieder entnehmen, daß es auch unserem Körper nützt, wenn wir so vernünftig sind, das Gesetz des Fastens zu befolgen, das der Herr aufgestellt hat.
Befassen wir uns nun zum Abschluß noch mit der Demut und der geistigen Kraft, die wir durch das Fasten erlangen. Der Herr hat gewiß darum gewußt, wie notwendig das Fasten ist, denn über die Zeit nach seiner Taufe berichtet die heilige Schrift:
„Erfüllt vom Heiligen Geist, verließ Jesus die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die vierzig Tage vorüber waren, hatte er Hunger.” (Lukas 4:1,2.)
Der Teufel bot all seine List auf, um den Herrn dazu zu bekommen, daß er von seiner Mission abließ. Der Herr aber entgegnete ihm: „Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.
Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab.
Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück.” (Lukas 4:8,13,14.)
Das Fasten hatte ihn mit der Kraft des Geistes gesegnet.
Im Buch Mormon findet sich ein Bericht von Alma, als er auf dem Weg nach Manti nach Süden zog. Er staunte, als er seine Freunde, die Söhne Mosias traf, die nach dem Land Zarahemla unterwegs waren. Es war eine freudige Begegnung, und sie erzählten einander von ihren Missionsreisen. Alma freute sich von Herzen darüber, wie sehr die Söhne Mosias in der Erkenntnis der Wahrheit gewachsen waren. In der Schrift steht:
„Aber das war nicht alles; sie hatten sich vielem Fasten und Beten hingegeben; darum hatten sie den Geist der Prophezeiung und den Geist der Offenbarung; und wenn sie lehrten, so lehrten sie mit der Kraft und Vollmacht Gottes.
Und sie hatten das Wort Gottes vierzehn Jahre lang unter den Lamaniten gelehrt; sie waren sehr erfolgreich gewesen, indem sie viele zur Erkenntnis der Wahrheit führten; ja, durch die Kraft ihres Wortes wurden viele vor den Altar Gottes geführt, seinen Namen anzurufen und ihre Sünden vor ihm zu bekennen.” (Alma 17:3,4.)
Dies sind nur zwei der vielen Beispiele in den heiligen Schriften, die davon berichten, daß zweckerfülltes Fasten und Beten besondere geistige Kraft mit sich bringen. Diesen gleichen Segen können wir alle erlangen, wenn wir uns darum bemühen.
Ich möchte mich mit meinem Zeugnis den anderen anschließen, die heute nachmittag Zeugnis gegeben haben von den Segnungen, die die erlangt haben, die in den letzten fünfzig Jahren für dieses großartige, inspirierte Wohlfahrtsprogramm gegeben oder dadurch empfangen haben. Als es der Kirche 1936 bei der Generalkonferenz bekanntgegeben wurde, war mein Vater Bischof. Die Welt stöhnte unter der großen Wirtschaftskrise. Viele Väter in unserer Gemeinde waren arbeitslos. Damals hatten viele Kinder nicht einmal die zehn Cent für Veranstaltungen der Schule, weil die Eltern es sich nicht leisten konnten, ihren Kindern dieses Vergnügen zu bezahlen.
Durch die Berufung meines Vaters habe ich das Wohlfahrtsprogramm von Anfang an kennengelernt. Ich habe zugesehen, wie er sich voll Liebe und Anteilnahme der Armen in seiner Gemeinde annahm. Ich bin oft von der Schule nach Hause gerannt, weil wir uns etwas vorgenommen hatten. Wenn ich dann vor unserem Haus um die Ecke kam, konnte ich schon die Säcke mit Mehl, Zucker und anderen Waren stehen sehen. Mir sank dann das Herz, denn ich wußte, daß ich wieder einen Abend lang zusammen mit Vater diese Waren an die Bedürftigen verteilen mußte. Was wir uns vorgenommen hatten, mußte auf einen anderen Abend verschoben werden.
Wenn er nach Hause kam, wurde ich immer eingespannt; ich half ihm, die Waren ins Auto zu laden und sie zu verteilen. Manchmal murrte ich still vor mich hin, weil ich so „ausgenutzt” wurde, aber es war doch ein großartiges Erlebnis, wenn ich sah, wie die Augen einer bekümmerten Familie wieder strahlten, wenn wir etwas zu essen brachten. Ich kam immer voller Freude nach Hause zurück, wenn ich wieder die Kirche sozusagen in Aktion erlebt hatte, wie sie sich durch das Fastopfer und hilfsbereite Priestertumsführer ihrer Armen und Bedürftigen annahm.
Möge der Herr uns auch weiterhin mit dem Glauben segnen, den inspirierten Führern zu folgen, die er uns hier auf Erden gibt, damit wir unseren Verpflichtungen nachkommen und von ihm in geistiger und zeitlicher Hinsicht gesegnet werden — vorausgesetzt, wie halten uns an seinen Plan. Darum bete ich. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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