Das Gesetz des Fastens

Par Brigtte :: 23/05/2008 à 17:34 :: Fasten
Elder L. Tom Perry vom Kollegium der Zwölf Apostel, Frühjahrs-Generalkonferenz 1986
„Ach, wo ist unser Glaube? Ach, wie wir uns von den Segnungen des Herrn ausschließen, wenn wir kein großzügiges Fastopfer spenden.”
Die heiligen Schriften lehren uns immer und immer wieder auf großartige Weise, wie töricht es ist, wenn die Menschen die Wege des Herrn verlassen und sich auf den Arm des Fleisches stützen. Eines können wir im Leben ganz sicher wissen, nämlich daß sich im Menschenleben gute und schlechte Zeiten immer wieder abwechseln. Viele unserer Familiengeschichten enthalten doch ähnliche Erlebnisse wie die folgenden.
„Wirtschaftlich ging es in unserer Familie mal aufwärts, mal abwärts. Wie so vielen US-Amerikanern ging es uns in den zwanziger Jahren gut. Mein Vater begann, im Immobiliengeschäft viel Geld zu verdienen, neben seinen anderen Geschäften. Ein paar Jahre lang waren wir richtig wohlhabend. Doch dann kam die Weltwirtschaftskrise.
Niemand, der sie miterlebt hat, wird sie je vergessen. Mein Vater hät sein ganzes Geld verloren, und wir haben fast unser Haus verloren. Ich weiß noch, daß ich meine Schwester, die ein paar Jahre älter war als ich, gefragt habe, ob wir wohl ausziehen müßten und wie wir eine andere Wohnung finden sollten. Ich war damals erst sechs, sieben Jahre alt, aber die Angst vor der Zukunft, die ich empfand, ist mir noch lebhaft im Sinn. Schlechte Zeiten sind unauslöschlich – sie bleiben für immer haften.” (Lee Iacocca und William Novak, lacocca: An Autobiography, New York, 1984, Seite 7.)
Doch so gewiß wir uns darauf verlassen können, daß Veränderungen zum Leben gehören, so gewiß können wir sein, daß wir Kinder des ewigen Vaters im Himmel sind. Als erhabenes Vorbild eines gütigen und liebenden Vaters hat er seinen Kindern deutlich den Weg vorgezeichnet, den sie gehen sollen und auf dem sie in seine Gegenwart zurückkehren können.
Er hat den Weg mit wahren Prinzipien markiert, die alle Zeiten überdauern. Heute nachmittag haben wir in dieser Versammlung der Generalkonferenz bereits die Wohlfahrtsprinzipien erörtert, die uns im Laufe der letzten fünfzig Jahre offenbart worden sind und an die wir uns halten sollen.
Es gibt noch einen weiteren Grundsatz, der für den Wohlfahrtsplan grundlegend ist und auf den ich heute eingehen möchte, nämlich das Gesetz des Fastens. Wenn ich mich mit den Grundsätzen, die der Herr uns zu befolgen auferlegt, beschäftige, staune ich immer, wie einfach sie im Grunde sind, wie leicht zu beachten und wie segensreich, wenn wir uns daran halten.
Das Gesetz des Fastens gehört zu den Grundgesetzen der Kirche. Jesaja hat verkündet:
„Das ist ein Fasten, wie ich es liebe:.. . an die Hungrigen dein Brot auszuteilen.” (Jesaja 58:6,7.)
Wie viele andere biblische Bräuche auch hat der Herr das Fasten in unserer Zeit durch den Propheten Joseph Smith wieder eingeführt.
Das Gesetz des Fastens hat dreierlei zum Ziel. Erstens werden mit dem Fastopfer, das den Wert der Mahlzeiten darstellt, auf die wir verzichten, die Bedürftigen unterstützt. Zweitens nützt das Fasten unserem Körper. Drittens macht es den Menschen demütiger und stärkt seine geistige Gesinnung.
Ein wichtiger Grund für das Fasten ist, daß wir den Gegenwert der eingesparten Mahlzeiten für die Armen und Bedürftigen spenden. Eine der eindringlichsten Ermahnungen des Herrn an seine Kinder auf Erden betrifft unsere Pflicht gegenüber den Bedürftigen. König Benjamin hat in seiner großartigen Rede gesagt: „Und nun, um deswillen, was ich zu euch gesprochen habe – das heißt, damit ihr von Tag zu Tag Vergebung für eure Sünden empfangen mögt, so daß ihr ohne Schuld vor Gott wandeln könnt –, möchte ich, daß ihr eure Habe mit den Armen teilt, ein jeder gemäß dem, was er hat, nämlich die Hungrigen zu speisen, die Nackten zu kleiden, die Kranken zu besuchen und sich ihrer anzunehmen, geistig ebenso wie zeitlich, gemäß ihren Bedürfnissen.” (Mosia 4:26.)
Müssen wir daran erinnert werden, daß zu unserem Taufbündnis das Versprechen gehört, daß wir einer des anderen Last tragen wollen, damit sie leicht sei, daß wir mit den Trauernden trauern und diejenigen trösten wollen, die Trost brauchen? (Siehe Mosia 18:8,9.)
Das System, das der Herr zur Wohlfahrt der Armen und Bedürftigen geschaffen hat, beeindruckt mich immer mehr. Gewiß könnte sich kein Mensch eine so einfache und doch tiefgreifende Methode zur Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse ausdenken: Das regelmäßige Fasten gereicht uns in geistiger und in zeitlicher Hinsicht zum Segen; zugleich spenden wir den Gegenwert der eingesparten Mahlzeiten dem Bischof, der ihn für die Armen, Kranken und Notleidenden verwendet, die Hilfe und Unterstützung brauchen.
Präsident Clark hat gesagt: „Das Grundprinzip aller Hilfsmaßnahmen der Kirche ist, daß sie durch das Fastopfer und die anderen freiwilligen Spenden finanziert werden. Das ist die Ordnung, die der Herr aufgestellt hat. Der Zehnte ist nicht in erster Linie für diesen Zweck bestimmt und darf nur im äußersten Notfall dafür verwendet werden." (J. Reuben Clark jun., am 3. April 1971 von Marion G. Romney zitiert.)
Im Laufe der Religionsgeschichte stellen wir immer wieder fest, daß der Herr die Menschen segnet, wenn sie sich der Armen und Bedürftigen annehmen. Von der Zeit des Hiskija lesen wir in der Schrift:
„Ebenso brachten die Israeliten und die Judäer ... den Zehnten von den Rindern und Schafen sowie den Zehnten von den Weihegaben, die dem Herrn, ihrem Gott, übergeben wurden. Sie reihten Stapel an Stapel.
Als dann Hiskija und die führenden Männer kamen und die aufgestapelten Mengen sahen, priesen sie den Herrn und sein Volk Israel.
Hiskija erkundigte sich bei den Priestern und den Leviten wegen der aufgestapelten Mengen.” (2. Chronik 31:6,8,9.)
Er erhielt zur Antwort: „Seitdem man begonnen hat, die Abgaben in das Haus des Herrn zu bringen, haben wir zu essen, werden satt und lassen noch reichlich übrig; denn der Herr hat sein Volk gesegnet. Diese Menge ist übriggeblieben.” (2. Chronik 31:10.)
Wir haben heute schon viel über Präsident Romney und seine Aussagen zum Wohlfahrtsprogramm gesagt. Ich möchte dem noch eine Aussage hinzufügen:
„Ich stimme dem ganz und gar zu, was der Bischof dazu gesagt hat, daß wir freigebig für den Fastopferfonds und für jeden anderen Fonds spenden sollen, den die Kirche uns ans Herz legt. Ich glaube fest daran, daß es einem finanziell nicht schlechter geht, wenn man für die Kirche und den Aufbau des Gottesreiches gibt. Ich weiß noch, wie Bruder Ballard mir vor langer Zeit, vor über fünfzig Jahren, die Hände aufgelegt und mich als Missionar eingesetzt hat. Er hat in seinem Segen gesagt, wenn man dem Herrn eine Brotkruste gebe, werde man einen ganzen Laib Brot zurückbekommen. Die Erfahrung habe ich auch gemacht. Wenn die Mitglieder der Kirche ihre Fastopferspende verdoppeln würden, würde auch ihre geistige Gesinnung doppelt so stark. Das müssen wir im Sinn behalten und freigebig spenden.” (Wohlfahrts- und Landwirtschaftsversammlung, 3. April 1971.)
Angesichts all dieser Verheißungen, die der Herr im Verlauf des menschlichen Daseins auf der Erde immer wieder ausgesprochen hat, ist es doch schockierend, daß manchmal auf den Zehntenfonds der Kirche zurückgegriffen werden muß, um die Defizite im Fastopferfonds auszugleichen. Ach, wo ist unser Glaube? Ach, wie wir uns von den Segnungen des Herrn ausschließen, wenn wir kein großzügiges Fastopfer spenden.
Bringen wir doch den Glauben auf, den Herrn dazu zu verpflichten, daß er sein Volk segnet, weil wir seine Anordnung befolgen, für unsere Armen und Bedürftigen zu sorgen, indem wir ein großzügiges Fastopfer spenden.
Das Fasten nützt auch unserem Körper. Vor einiger Zeit habe ich in der Zeitschrift Science News einen Artikel von Charles L. Goodrich gelesen, in dem stand, daß sich das reichliche Essen, wie es heutzutage üblich ist, nicht nur im Aussehen bemerkbar macht. Zahlreiche Tierstudien haben ergeben, daß eine frühzeitige Einschränkung der Kalorienzahl die Lebenserwartung erhöht und das Risiko bestimmter Krankheiten vermindert.
Es gibt auch Beweise dafür, daß regelmäßiges Fasten gesundheitsfördernde Auswirkungen hat. Einige Experimente haben erwiesen, daß regelmäßiges Fasten nicht nur die Lebenserwartung erhöht, sondern auch die Aktivität in den späteren Jahren fördert. (Siehe Science News, 1. Dezember 1979, Seite 375.)
Außerdem ist das Fasten eine der besten Möglichkeiten, uns in Selbstzucht zu üben. Platon hat gesagt: „Der erste und beste Sieg ist der über uns selbst; es gibt nichts Beschämenderes und Übleres, als von sich selbst besiegt zu werden.” (Gesetze, 1. Buch, Abschnitt 626E.)
Das Fasten hilft uns, Selbstbeherrschung selbst zu sein.
Wir können dem also wieder entnehmen, daß es auch unserem Körper nützt, wenn wir so vernünftig sind, das Gesetz des Fastens zu befolgen, das der Herr aufgestellt hat.
Befassen wir uns nun zum Abschluß noch mit der Demut und der geistigen Kraft, die wir durch das Fasten erlangen. Der Herr hat gewiß darum gewußt, wie notwendig das Fasten ist, denn über die Zeit nach seiner Taufe berichtet die heilige Schrift:
„Erfüllt vom Heiligen Geist, verließ Jesus die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die vierzig Tage vorüber waren, hatte er Hunger.” (Lukas 4:1,2.)
Der Teufel bot all seine List auf, um den Herrn dazu zu bekommen, daß er von seiner Mission abließ. Der Herr aber entgegnete ihm: „Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.
Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab.
Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück.” (Lukas 4:8,13,14.)
Das Fasten hatte ihn mit der Kraft des Geistes gesegnet.
Im Buch Mormon findet sich ein Bericht von Alma, als er auf dem Weg nach Manti nach Süden zog. Er staunte, als er seine Freunde, die Söhne Mosias traf, die nach dem Land Zarahemla unterwegs waren. Es war eine freudige Begegnung, und sie erzählten einander von ihren Missionsreisen. Alma freute sich von Herzen darüber, wie sehr die Söhne Mosias in der Erkenntnis der Wahrheit gewachsen waren. In der Schrift steht:
„Aber das war nicht alles; sie hatten sich vielem Fasten und Beten hingegeben; darum hatten sie den Geist der Prophezeiung und den Geist der Offenbarung; und wenn sie lehrten, so lehrten sie mit der Kraft und Vollmacht Gottes.
Und sie hatten das Wort Gottes vierzehn Jahre lang unter den Lamaniten gelehrt; sie waren sehr erfolgreich gewesen, indem sie viele zur Erkenntnis der Wahrheit führten; ja, durch die Kraft ihres Wortes wurden viele vor den Altar Gottes geführt, seinen Namen anzurufen und ihre Sünden vor ihm zu bekennen.” (Alma 17:3,4.)
Dies sind nur zwei der vielen Beispiele in den heiligen Schriften, die davon berichten, daß zweckerfülltes Fasten und Beten besondere geistige Kraft mit sich bringen. Diesen gleichen Segen können wir alle erlangen, wenn wir uns darum bemühen.
Ich möchte mich mit meinem Zeugnis den anderen anschließen, die heute nachmittag Zeugnis gegeben haben von den Segnungen, die die erlangt haben, die in den letzten fünfzig Jahren für dieses großartige, inspirierte Wohlfahrtsprogramm gegeben oder dadurch empfangen haben. Als es der Kirche 1936 bei der Generalkonferenz bekanntgegeben wurde, war mein Vater Bischof. Die Welt stöhnte unter der großen Wirtschaftskrise. Viele Väter in unserer Gemeinde waren arbeitslos. Damals hatten viele Kinder nicht einmal die zehn Cent für Veranstaltungen der Schule, weil die Eltern es sich nicht leisten konnten, ihren Kindern dieses Vergnügen zu bezahlen.
Durch die Berufung meines Vaters habe ich das Wohlfahrtsprogramm von Anfang an kennengelernt. Ich habe zugesehen, wie er sich voll Liebe und Anteilnahme der Armen in seiner Gemeinde annahm. Ich bin oft von der Schule nach Hause gerannt, weil wir uns etwas vorgenommen hatten. Wenn ich dann vor unserem Haus um die Ecke kam, konnte ich schon die Säcke mit Mehl, Zucker und anderen Waren stehen sehen. Mir sank dann das Herz, denn ich wußte, daß ich wieder einen Abend lang zusammen mit Vater diese Waren an die Bedürftigen verteilen mußte. Was wir uns vorgenommen hatten, mußte auf einen anderen Abend verschoben werden.
Wenn er nach Hause kam, wurde ich immer eingespannt; ich half ihm, die Waren ins Auto zu laden und sie zu verteilen. Manchmal murrte ich still vor mich hin, weil ich so „ausgenutzt” wurde, aber es war doch ein großartiges Erlebnis, wenn ich sah, wie die Augen einer bekümmerten Familie wieder strahlten, wenn wir etwas zu essen brachten. Ich kam immer voller Freude nach Hause zurück, wenn ich wieder die Kirche sozusagen in Aktion erlebt hatte, wie sie sich durch das Fastopfer und hilfsbereite Priestertumsführer ihrer Armen und Bedürftigen annahm.
Möge der Herr uns auch weiterhin mit dem Glauben segnen, den inspirierten Führern zu folgen, die er uns hier auf Erden gibt, damit wir unseren Verpflichtungen nachkommen und von ihm in geistiger und zeitlicher Hinsicht gesegnet werden — vorausgesetzt, wie halten uns an seinen Plan. Darum bete ich. Im Namen Jesu Christi. Amen.

Fasttag

Par Brigtte :: 23/05/2008 à 15:24 :: Fasten
(155. Herbst-Generalkonferenz, Präsident Howard W. Hunter, der Stern Nr. 2 1986)
Wenn heute nicht Generalkonferenz wäre, würden wir jeder in seiner Gemeinde den Fastgottesdienst besuchen, weil es ja der erste Sonntag im Monat ist. Wir würden nicht nur den Gottesdienst besuchen, sondern auch entsprechend dem gewohnten Brauch der Mitglieder fasten. In dieser Hinsicht ist die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage einzigartig, wenngleich das Prinzip des Fastens im Verlauf der Religionsgeschichte schon immer befolgt worden ist.
Aus den uns vorliegenden Berichten scheint es unmöglich festzustellen, unter was für Umständen das Fasten in alter Zeit aufgekommen ist oder was für einem Zweck es anfänglich gedient hat. Aber es gibt Hinweise darauf, daß schon in frühester Zeit gefastet wurde, um Kummer oder eine Gemütsbewegung auszudrücken. Das Fasten ging mit der ernsthaften, tiefempfundenen Traurigkeit wegen Sünde einher, mit Zeiten der Trauer und mit Anlässen starker Gefühlsaufwallung.
Die frühen Israeliten praktizierten das Fasten; aber es gibt nur wenig Hinweise darauf. Gewöhnlich finden sich diesbezügliche Andeutungen im Zusammenhang mit irgendeinem besonderen Anlaß oder in Verbindung mit dem Bestreben, Mitteilungen von Gott zu erhalten, wie es bei Mose und Elija der Fall war. (Siehe Exodus 34:28; 1 Könige 19:8.)
Vor der Verbannung wird nur wenig von einem Fasten des ganzen Volkes Israel berichtet, ausgenommen das Fasten, das aufgrund besonderer Anlässe gehalten wurde, wie etwa beim Tod Sauls und Jonatans. (Siehe 1 Samuel 31:13; 2 Samuel 1:12.) Es gab noch anderes öffentliches Fasten mit dem Zweck, für bevorstehende Kriege oder Schlachten göttlichen Beistand zu erwirken. (Siehe Richter 20:26; 2 Samuel 14:24:2 Chronik 20:3.) Man darf annehmen, daß Mose gefastet hat, weil er das Fasten erwähnt; aber er hat in seinen Schriften irgendwelches besonderes Fasten nicht befürwortet.
Nach der Verbannung fing man aber mit der Befolgung öffentlichen und privaten Fastens an, manchmal in Verbindung mit Wehklagen und dem Tragen von Sackleinen und Asche. Der wichtigste Fasttag war der jährliche Versöhnungstag. Die judaistischen Frommen machten es sich auch zur Gewohnheit, zweimal pro Woche zu fasten  am zweiten und am fünften Tag, weil Mose an diesen Tagen auf den Berg Sinai gestiegen und wieder herunter gekommen war.
Vor Beginn des christlichen Zeitalters findet sich bei den extremen Gruppen der Juden, vornehmlich bei den Pharisäern, eine starke Hingabe an das Fasten; doch Jesus gab seinen Jüngern keine besonderen Anweisungen in bezug auf die Art und Häufigkeit des Fastens. In der Bergpredigt sagt er allerdings: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler.” (Matthäus 6:16.) Damit ist wohl gemeint, daß bei der Befolgung des Fastens Aufrichtigkeit vorherrschen sollte. Er selbst fastete vierzig Tage und vierzig Nächte. (Siehe Matthäus 4:2.)
Vieles, was die Kirche zur Zeit Christi eingeführt hatte, wurde nach dem Tod des letzten Apostels abgeändert oder verdorben. Fasten und Beten war bisher freiwillig gewesen, aber mit der Zeit wurde es kirchlichen Regeln und Anordnungen unterworfen, denen alle Zugehörigen zu gehorchen hatten, wollten sie nicht wegen Ungehorsams exkommuniziert werden.
Als sich die ersten Siedler an der Ostküste Amerikas niederließen, befolgten sie nicht die üblichen Fastenzeiten der Kirchen, von denen sie sich abgesetzt hatten. Sie legten ihre eigenen Fasttage fest, und davon haben sich manche bis in die heutige Zeit erhalten. Einige davon wurden sogar von der gesetzgebenden Körperschaft oder öffentlichen Amtsträgern gefördert.
Viele der ersten Mitglieder unserer Kirche kamen aus Neuengland oder entstammten der religiösen Umwelt der Siedler, und Fasten gehörte zu ihrem Glauben. Infolgedessen war es wohl so, daß viele das Bedürfnis nach einer engen Verbindung mit dem himmlischen Vater hatten. Sie hielten sich an die Lehre Jesu, daß man heimlich fasten solle (siehe Matthäus 6:17f.), aber in der Frühgeschichte der Kirche findet man keine Erwähnung dieses Prinzips.
Die neuzeitliche Offenbarung, die im Buch ,Lehre und Bündnisse' enthalten ist, sagt über das Fasten nur wenig aus und erteilt auch keine besonderen Anweisungen dazu. Eineinhalb Jahre nach der Gründung der Kirche empfing der Prophet Joseph Smith eine Offenbarung, die sich auf die Heiligung des Tages des Herrn bezieht und nebenbei auch das Fasten erwähnt, allerdings ohne zusätzliche Bemerkungen. Die genannte Stelle lautet:
„Und an diesem Tag sollst du nichts anderes tun als mit Herzensabsicht deine Speise bereiten, damit dein Fasten vollkommen sei oder, mit anderen Worten, damit deine Freude vollständig sei.
Wahrlich, das ist Fasten und Beten oder, mit anderen Worten, Sichfreuen und Beten.” (LuB 59:13f.)
Das ist ein Widerhall aus der Zeit des Alten Testaments, und das Prinzip des Fastens im Geist des Betens wird in unserer Evangeliumszeit bekräftigt.

Im Jahr darauf erging eine ausführlichere Offenbarung zu diesem Thema, worin der Herr sagte: „Auch gebe ich euch das Gebot, von dieser Zeit an in Beten und Fasten zu beharren.” (LuB 88:76.)
Vor dieser Zeit war in der Kirche nicht regelmäßig gefastet worden. Der Wortlaut der Offenbarung, nämlich „von dieser Zeit an in Beten und Fasten zu beharren”, mag wohl auf die Einführung von Fastversammlungen hinweisen, aber augenscheinlich gab es keine solchen bis der Kirtland-Tempel im Jahre 1836 gebaut wurde.
Das Fasten wird nur in einer einzigen weiteren neuzeitlichen Offenbarung erwähnt, und zwar im Zusammenhang mit dem Bau des Kirtland-Tempels und im Weihungsgebet, worin der Tempel als „ein Haus des Betens ein Haus des Fastens" bezeichnet wir (LuB 88:119:95:7,16 und 109:8,16). Im Buch Mormon finden sich häufig diesbezügliche Bemerkungen; es handelt sich dabei aber wie bei der Bibel um Schriften aus alter Zeit. Die heilige Schrift unserer Evangeliumszeit gibt uns wenig Auskunft.
Es ist uns nicht bekannt, wann die Kirche das Fasten als regelmäßigen Brauch ein einführt hat, aber es gibt Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, daß im Kirtland-Tempel 1836 einige Fastversammlungen am ersten Donnerstag jedes Monats abgehalten wurden. Es gibt keinen Hinweis darauf, daß dieses Fasten mit Spenden an die Armen verbunden gewesen wäre, außer einer Bemerkung von Brigham Young, die er mehr als 30 Jahre danach in Salt Lake City machte. Er sagte folgendes:
„Sie wissen, daß wir jeden ersten Donnerstag im Monat fasten. Wie viele von den Anwesenden wissen, woher dieser Tag stammt? Ehe der Zehnte gezahlt wurde, unterstützte man die Armen mit freiwilligen Gaben. In Kirtland kamen sie zu Joseph und wollten Hilfe haben, und er sagte, es solle einen Fasttag geben; so wurde es beschlossen.
Einmal im Monat sollte er gehalten werden – wie es auch heute ist –, und alles, was an dem Tag gegessen worden wäre, Mehl, Fleisch, Butter, Obst, sollte zur Fastversammlung mitgebracht und jemandem übergeben werden, der dazu bestimmt worden war, sich dieser Sachen anzunehmen und sie an die Armen zu verteilen.” (Journal of Discourses, 12:115.)
Obwohl Brigham Young gesagt hat, daß damals ein derartiger Brauch beschlossen wurde, gibt es keinen Bericht darüber, ob ihm jemals Folge geleistet wurde.
In Nauvoo wurde gelegentlich aus irgendeiner besonderen Absicht heraus gefastet, jedoch nicht regelmäßig. Erst 1845 wurde in Nauvoo ein Fasttag angesetzt, um den Armen zu helfen. In den Aufzeichnungen zur Geschichte der Kirche findet sich die folgende Anmerkung Brigham Youngs:
„Donnerstag, den 15.... Fasttag: Alle Arbeiten wurden eingestellt. In den einzelnen Gemeinden fanden Versammlungen statt, und die Bischöfe erhielten Gaben für die Armen. Es kam genitg zusammen, um den Bedarf der Armen bis zur Ernte zu decken.” (History of the Church, 7:411.)
Spezielle Fasttage zu verschiedenen Zwecken wurden während des Auszugs aus Nauvoo gehalten, und als die Heiligen im Salzseetal angekommen waren, wurde einige Male am ersten Donnerstag jedes Monat gefastet. Es läßt sich nicht feststellen, wann ein regelmäßiger Fasttag eingeführt wurde. In den schwierigen Jahren 1855 und 1856 befanden sich die Heiligen in einer verzweifelten Lage, weil es eine lange Dürre und Hungersnot gegeben hatte, dazu einen ungewöhnlich harten Winter und die Heuschreckenplage. Brigham H. Robert weiß darüber folgendes zu berichten:
„Um der besonders großen Notwendigkeit von Mildtätigkeit zu entsprechen, die in diesen Jahren von den Heiligen gefordert wurde, kam unser Fasttag auf; die Knechte des Herrn setzten den ersten Donnerstag jedes Monats als Fasttag fest, und das, was durch dieses Opfer eingespart wurde, sollte mitgebracht und denen zugewiesen werden, die sich sonst in Not befunden hätten. Dieser Plan zur Behebung von Notständen wurde eine feste Einrichtung.” (GK, April 1913.)
Vor dieser Zeit wurden die Armen mit Spenden unterstützt, jetzt aber verband sich die Sorge für die Armen mit dem Fasttag, und was gespendet wurde, bezeichnete man als Fastopfer, das jeden Monat in die Fastversammlung mitgebracht wurde. Von dieser Frühzeit an, als die Heiligen in die Gebirgstäler kamen, bis zum Jahre 1896 wurde regelmäßig an jedem ersten Donnerstag im Monat ein Fasttag gehalten, und die Gaben, hauptsächlich in Form von Lebensmitteln und anderen Sachwerten, wurden dabei abgeliefert. Am Anfang, als es nur wenige Mitglieder der Kirche gab, bereitete die Abhaltung eines Fasttags am Donnerstag keine Schwierigkeiten, mit der Zeit aber war es erforderlich geworden, daß Angestellte sich den Tag freinahmen, um in die Versammlung zu gehen; Kaufleute mußten ihren Laden schließen, und viele weitere Schwierigkeiten ergaben sich daraus, daß der Fasttag auf einen Wochentag fiel.
So trafen die Erste Präsidentschaft und die Zwölf die Entscheidung, daß der Fasttag immer am ersten Sonntag des Monats zu halten sei. Der erste Sonntag im Dezember 1896 war der Tag, an dem die Änderung stattfand. Seither, fast ein Jahrhundert lang, wird der Fasttag mit wenigen Ausnahmen als religiöser Brauch am ersten Sonntag des Monats gehalten.
Die Mitglieder der Kirche können jederzeit fasten, wenn sie das Bedürfnis dazu spüren, aber das Fasten, das an dem genannten Tag beachtet werden soll, wird von Präsident Joseph F. Smith wie folgt definiert: „Vierundzwanzig Stunden lang soll keine Speise, kein Getränk genossen werden, von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang.': Diese letztere Zeitbestimmung wird inzwischen so gedeutet, daß man sich zweier Mahlzeiten enthalten soll – vom Abendessen des Vortags bis zum Abendessen des Fasttags. Präsident Smith fährt dann fort:
„Der Hauptzweck des Fastens unter den Heiligen der Letzten Tage lag außerdem vor allem darin, die Armen mit Speise und allem Notwendigen zu versorgen. Es obliegt daher jedem Heiligen der Letzten Tage, seinem Bischof am Fasttag die Lebensmittel zu übergeben, die er und seine Familie sonst verzehrt hätten, damit sie den Armen zum Wohl und Segen gereichen; statt dessen kann es auch der entsprechende Geldbetrag sein – und wenn es sich um ein wohlhabendes Mitglied handelt, eine großzügige Spende –, der für die Armen verwandt wird.” (Improvement Era, Dezember 1902, Seite 148.)
Sind wir nicht wohlhabend, wenn der Herr uns mit etwas gesegnet hat, was wir mit anderen teilen können?
Wenn wir uns durch das Fasten in Zucht nehmen, bringt uns das in Einklang mit Gott, und der Fasttag gibt uns Gelegenheit, das Zeitliche beiseite zu setzen, um uns der höheren Werte des Geistigen zu erfreuen. Wenn wir an dem bestimmten Tag fasten, lernen wir, die Bedürfnisse der Menschen besser zu verstehen, denen es nicht so gut geht.
Möge der Herr uns segnen, während wir nach seinen Geboten leben und mit unseren Brüdern und Schwestern teilen. Das erbitte ich demütig im Namen Jesu Christi. Amen.

großzügige Spenden

Par Brigtte :: 13/05/2008 à 14:14 :: Fasten
Wie Spenden und Sonderfasttage von Mitgliedern der Kirche Bedürftigen zugute kommen.
Die heute ausgedörrten, grauen Terrassenhänge und zerklüfteten Täler im Norden Athiopiens lassen es kaum glaubhaft erscheinen, daß dieses Land einmal grün und fruchtbar war. Da und dort, vereinzelt, Gestrüpp - das ist alles, was von der einst endlos grünen Weite geblieben ist, wo Nomaden, die in der Regenzeit nach Norden zogen, ihre Herden weiden ließen. Die Dürre hat das einstige Weideland kahl gemacht und die Herden zugrunde gehen lassen. Die Wanderstämme tauschten zögernd grenzenloses Land gegen kleine Anbauflächen oder gegen die staatliche Katastrophenhilfe. Ohne Wasser erodiert die Hoffnung auf gedeihendes Leben ebenso unaufhaltsam wie der kostbare Mutterboden des Landes.
In Geddobar in der äthiopischen Provinz Wello hingegen gibt es Hoffnung. Hier, in einem von Dürre bedrohten Bergtal 560 Kilometer nördlich der Hauptstadt Addis Abbeba, gibt es ein kleines, von der Kirche ins Leben gerufenes Bewässerungsprojekt, eines von vielen humanitären Dienstprojekten, die mit Spenden von Mitgliedern der Kirche finanziert werden. (Einzelheiten über andere Projekte finden Sie in den begleitenden Berichten.)
Im Jahr 1985 wurden die Mitglieder der Kirche in den USA und Kanada durch zwei Briefe von der Ersten Präsidentschaft zur Teilnahme an einem Sonderfasttag aufgerufen. Die finanziellen Mittel, die in Verbindung damit gespendet wurden, sollten „den Opfern von Dürrekatastrophen oder sonstwie verursachter Hungersnot und Entbehrung unter den Völkern Afrikas und möglicherweise in anderen Gebieten zugute kommen”. In den Briefen wurde das Versprechen gegeben, daß „mit den gesamten Spendenmitteln den Hungernden und Notleidenden in Elendsgebieten geholfen würde, unabhängig davon, ob sie der Kirche angehören oder nicht”. Die Heiligen hatten den Wunsch zu helfen und spendeten fast 11 Millionen Dollar.
Unmittelbar nach dem ersten Sonderfasttag im Januar 1985 machte die Kirche Organisationen ausfindig, deren Integrität außer Frage stand und denen sie helfen konnte, Lebensmittel, Zelte und Medikamente an Katastrophenopfer in Athiopien und in den angrenzenden afrikanischen Staaten zu verteilen. Während der Jahre 1985 und 1986 wurden von der Kirche zur Verfügung gestellte Hilfsgüter durch das Internationale Rote Kreuz, die katholische Caritas und die amerikanische CARE-Organisation (Cooperative for American Relief Everywhere) verteilt.

Helfen, indem man Selbsthilfe ermöglicht
Im Geist,- des kirchlichen Wohlfahrtsprogrammes - das bedeutet: helfen, indem man Selbsthilfe ermöglicht - beschlossen die Führer der Kirche, daß ein Teil des Geldes für Projekte aufzuwenden sei, die den Betroffenen langfristige Unabhängigkeit bringen sollten, und so wurden mit einem Teil der Mittel Projekte wie das in Geddobar finanziert. Bei den meisten dieser Unternehmen in Äthiopien, im Tschad, in Niger, Kamerun, Nigeria und Ghana geht es um die Nutzung von Wasserreserven und um die Entwicklung der Landwirtschaft als Schutz vor künftigen Dürreperioden. Die Gelder vom zweiten Sonderfasttag im November 1985 werden derzeit Projekten in anderen Teilen Afrikas und auf anderen Kontinenten zugeführt, wo dringender Bedarf besteht.
Unter der Leitung der Freiwilligen-Organisation Africare mit Sitz in Washington D. C. begannen Mitte 1985 die Bauarbeiten in Geddobar. Das Wasser eines aus Quellen gespeisten Gebirgsbaches wird zur Bewässerung von 4000 Hektar Landwirtschaftsfläche genutzt. Das Unternehmen wurde nach der afrikanischen Dürrekatastrophe von 1984/85 von der Kirche initiiert. Infolge dieser Katastrophe litten Millionen Hunger, und Hunderttausende kamen um.
Die Fertigstellung des äthiopischen Bewässerungsprojekts ist für alle, die gespendet haben, und für die 1650 Bauernfamilien, die intensiv an der Verwirklichung mitgearbeitet haben, ein wahr gewordener Traum. Nach dem Abschluß der Bauarbeiten werden die einheimischen Bauern zu dem Projekt mehr als 200.000 Arbeitstage beigetragen haben. Viele bringen große Opfer. Manche Arbeiter gehen von ihren Wohnstätten in den Bergen drei Stunden zu Fuß zur Arbeitsstätte. Der Arbeitstag dauert zehneinhalb Stunden - dann kommt noch der Heimweg. Im Schnitt leisten die Arbeiter im Rahmen des Projekts fünf bis acht Arbeitstage pro Monat. Sie werden in Naturalien bezahlt und erhalten etwa drei Kilogramm Getreide pro Arbeitstag.
Man hätte zwar durchaus mehr moderne Technik einsetzen und dadurch die Bauzeit verkürzen und die körperliche Arbeit einschränken können, aber das Projekt ist mit Absicht so angelegt, daß es von den Einheimischen mit ortsüblichem Material und Gerät fertiggestellt werden kann. Die Menschen können auf diese Weise sich selbst helfen und auf ihr Projekt stolz sein. Auch konnten die Projektkosten dadurch niedrig gehalten werden.
Kanäle in einer Gesamtlänge von 24 Kilometern wurden von ortsansässigen Bauern gegraben. Die Bauern bereiteten auch das Terrain für den Dammbau zur
Ableitung des Flusses vor. Die technischen Einrichtungen der Anlage sind so einfach, daß sie von der Bevölkerung selbst betrieben und gewartet werden können.

Lebenslange Unabhängigkeit
Die äthiopische Regierung erkannte bald den Wert der ganzjährigen Bewässerung in diesem Tal und verwendet das Projekt als Beispiel, das von anderen Hilfsorganisationen nachgeahmt werden soll. Ein hoher Beamter sagte: „Das ist ein sehr wichtiges Projekt, und wir möchten, daß andere es nachahmen. Es ermöglicht der Bevölkerung lebenslange Unabhängigkeit - die Bauern konnten ihre Erträge verdoppeln und verdreifachen. Der Einsatz von billigen technischen Mitteln und von einheimischer Arbeitskraft war für uns ein erfolgreiches Experiment.
Das äthiopische Landwirtschaftsministerium hat Vertrauen in dieses Projekt bewiesen, indem es Mittel für die Eröffnung eines Molkereibetriebes in unmittelbarer Nähe bereitgestellt hat. Es gibt bereits eine kleine Herde von Milchkühen.
Die Bauern selbst sind begeistert. Schon vor Fertigstellung der Anlage wurde ein provisorischer Graben zur Bewässerung von 16 Hektar Anbaufläche gezogen. Die Bauern pflanzten Papaya-, Guava- und Bananenplantagen und legten Gemüsefelder an, ein Risiko, das früher aus Angst vor Dürreperioden in der Wachstumszeit niemand auf sich genommen hätte.
Elder Alexander B. Morrison, Mitglied des Ersten Rates der Siebzig und der Gebietspräsidentschaft für Großbritannien, Afrika und Irland, sagt über das Projekt: „Das Wesentliche daran ist, daß dieses Projekt für zehntausend Menschen in drei Dörfern die künftige Lebensmittelversorgung sicherstellt. Diese Menschen, ihre Kinder und Kindeskinder werden, unabhängig von den Regenzeiten, selbst die Lebensmittel produzieren können, die sie brauchen, und zwar in größerer Menge und Vielfalt als bisher.” Angesichts dessen, daß auch dieses Jahr weltweit wieder zu Lebensmittelspenden aufgerufen wurde, kommt diesem Ganzjahres-Bewässerungsprojekt der Kirche besondere Bedeutung zu.

In Krisenzeiten
Die weltweiten Sonderfasttage der Kirche im Jahr 1985 waren zwar ein neuer Ansatz zur Hilfe für notleidende Menschen; kirchliche Hilfsaktionen in Krisen﷓ gebieten sind dennoch nichts Neues. Nach dem Zweiten Weltkrieg etwa wurden viele Tonnen Nahrung, Kleidung und Medikamente an die Bevölkerung des vom Krieg zerstörten Europa verteilt, und nur wenige davon waren Mitglieder der Kirche. 1954 beteiligte sich die Kirche am Okumenischen Hilfsprojekt für Griechenland (United Churches Ionian Relief Project) mit Sitz in Utah und lieferte aus Wohlfahrtsbeständen den Großteil der Hilfsgüter, die damals gespendet wurden.
1906 schickte die Kirche Weizen aus FHV-Silos nach China, wo eine Hungersnot herrschte. In den letzten zwanzig Jahren hat die Kirche wiederholt in Krisengebieten Hilfe geleistet.
Die Aufforderung des Herrn an seine Kirche, den Notleidenden zu helfen, ist unmißverständlich: „Laß dein Inneres auch erfüllt sein mit Nächstenliebe zu allen Menschen.” (LuB 121:45.) Nach diesem Prinzip lebte etwa das Volk Nephi, wie man im ersten Kapitel Alma nachlesen kann: „Und sie teilten von ihrer Habe, ein jeder gemäß dem, was er hatte, an die Armen und Bedürftigen und Kranken und Bedrängten aus. ... Und so, in ihren gedeihlichen Umständen, ließen sie keinen fort, der nackt oder hungrig oder durstig oder krank war und den sie nicht unterstützt hatten ... sei es außerhalb der Kirche oder in der Kirche, und sie kannten da keinen Unterschied, wenn jemand bedürftig war.” (Alma 1:27,30.)
Leid kennt weder geographische noch politische Grenzen. Humanitäre Hilfe im Rahmen der Kirche ist ein Teil unserer Pflicht gegenüber den Mitmenschen, welcher Religion auch immer sie angehören und unter was für einer Staatsform auch immer sie leben. Bischof Glenn L. Pace, Zweiter Ratgeber in der Präsidierenden Bischofschaft, berichtete nach einem Besuch in Athiopien:
„Unsere Spenden kamen allen Menschen zugute, welchem politischen Lager sie auch angehörten. Als Elder M. Russell Ballard (vom Rat der Zwölf) und ich das Gebiet besuchten, sahen wir nicht Kommunisten, Marxisten oder Kapitalisten, sondern hungernde Menschen - jeder von ihnen ein Sohn oder eine Tochter Gottes.”
Wenn wir, abgesehen von materiellen Gaben, daran denken, daß wir das Evangelium allen Nationen, Geschlechtern, Sprachen und Völkern bringen wollen (siehe Mosia 15:28), wird uns in noch größerem Maße bewußt, daß das Evangelium Jesu Christi alle von Menschen gezogenen Grenzen überschreitet.

Freiwillige stellen Zeit und Talent zur Verfügung
Ganz allgemein beschränken sich karitative Projekte der Kirche auf folgende Fälle: 1. Schwerwiegender lebensbedrohlicher Notstand, der sofortige und direkte Hilfe nötig macht, etwa bei Naturkatastrophen; 2. chronische Zustände infolge von Armut, beeinträchtigter Gesundheit oder aufgrund gesundheitsschädigender Umweltbedingungen, die sich durch Selbsthilfeprojekte verbessern lassen. Solche Projekte werden nur mit Geldern finanziert, die von den Mitgliedern eigens zu diesem Zweck gespendet werden.
Die Kirche als Organisation hat nur begrenzte Mittel und kann nicht allen Menschen helfen, die Not leiden. Aber die Führer der Kirche fordern die Mitglieder auf, sich an sinnvollen humanitären Unternehmungen in ihrer Umgebung zu beteiligen. Sie können nicht nur Geld oder Güter spenden, wo dies möglich ist, sondern auch ihre Zeit und ihre Talente für derartige Aktionen zur Verfügung stellen. Viele Mitglieder der Kirche möchten mit ihren Fähigkeiten dienen, und öffentliche Organisationen brauchen oft Dienste, wie Mitglieder der Kirche sie anzubieten haben. Außerdem gibt es in dem Maß, in dem die Kirche mit professionellen Hilfsorganisation zur Linderung der Not in aller Welt zusammenarbeitet, immer mehr Möglichkeiten zu dienen.
Eine solche Möglichkeit hatten erst kürzlich Bruder Dewey Petersen und seine Frau Patricia, die als ehrenamtliche Helfer einige Monate in Nigeria verbrachten und dort Brunnenbohrgeräte zusammenbauten und einheimische Brunnenbauer ausbildeten. Die Petersens stammen aus Bountiful in Utah und leisteten ehrenamtlichen Dienst in einem von der Kirche finanzierten Projekt der Hilfsorganisation Africare. In privaten, gemeinnützigen Initiativen sind ehrenamtliche Dienste von Mitgliedern der Kirche stets willkommen.
Die Kirche hat uns in beispielhafter Weise gezeigt, wie wir bedingungslos karitative Dienste leisten können. An uns, den einzelnen Mitgliedern, liegt es nun, weiterhin anderen zu dienen, ohne dafür im Gegenzug etwas zu erwarten. Indem wir anderen spontan dienen und helfen, lernen wir den Geist der Christlichkeit, den Geist des Evangeliums kennen.
Isaac C. Ferguson arbeitet im Wohlfahrtsdienst der Kirche und ist Führungssekretär des Subkomitees Humanitäre Dienste. Er lebt im Pfahl Bountiful, Utah Mueller Park.

Erschließung der Wadis im Tschad
Wadis sind trockene Flugbetten oder Niederungen in der Wüste, wo man häufig Oasen findet. Das Oberflächenwasser in solchen Gegenden ist oft zu salzhaltig für den Genuß durch Mensch und Tier und manchmal selbst für Bewässerungszwecke ungeeignet. Dennoch ist der Boden fruchtbar und für den landwirtschaftlichen Anbau geeignet, wenn Wasser aus sogenannten schadufs (das sind Brunnen von geringer Tiefe in den Wadis) zur Verfügung steht.
Bis vor kurzem sind solche Wadis nur in der „ feuchten” Jahreszeit von Nomadenstämmen als Weideland genutzt worden. In Zeiten der Trockenheit mußten die Viehhirten jedoch schwere Verluste hinnehmen. Deshalb wird nun das landwirtschaftliche Potential der Wadis erschlossen. Heute ernährt ein Wadi drei- bis vierhundert Menschen.
Die traditionelle Bewässerungsmethode bestand darin, Wasser in Säcken, die nur wenige Liter faßten, aus den schadufs zu fördern. Da diese Methode zeitraubend und wirkungslos ist, wurde auch nicht viel bewässert. Die Kirche hat in Zusammenarbeit mit GARE Hilfsgelder für die Entwicklung funktionierender Bewässerungsanlagen verwendet. So wurde etwa ein leistungsfähigeres Fördersystem entwickelt. Kamele ziehen nun Achtziglitersäcke aus dem Brunnen. Die Säcke werden in einen Trog entleert und von dort durch ein Kanalnetz auf die Felder verteilt, wo unter anderem Mais, Kartoffeln, Sorghum und Paprika gezogen wird.
In den Wadis wurden auch umweltschonende Arbeitsmethoden eingeführt. Die schadufs etwa werden nicht mehr wie früher mit Dattelpalmenholz gebaut, sondern mit Lehmziegeln. Die Bäume dienen als Windschutz und somit auch als Schutz gegen Wanderdünen. Für den Windschutz und den Brunnenbau wird nun im Land eine dürrebeständige Baumsorte gezüchtet.
 
Die üppige Vegetation dieses Wadis (Oase) in Tschad bildet einen krassen Gegensatz zur Wüste ringsum. Die landwirtschaftliche Produktion des Wadis ist nur durch das Wasser flacher, handgegrabener Brunnen möglich. Das Oberflächenwasser ist für Bewässerungszwecke zu salzig.

Ein Entwicklungsprojekt in einem bolivianischen Berdorf

Seit Kurzem bemüht sich die Kirche gemeinsam mit der Anden-Kinderstiftung (Andean Children's Foundation) um eine Verbesserung der Lebensbedingungen in bolivianischen Bergdörfern.
Im Rahmen dieses Projekts ermitteln Entwicklungshelfer gemeinsam mit den Führern einer Dorfgemeinschaft die Bedürfnisse des Dorfes. Die Entwicklungsspezialisten helfen dann den örtlichen Führern bei der Organisation von Projekten, um diese Bedürfnisse zu decken. Die Anden-Kinderstiftung hilft außerdem bei der Bereitstellung der erforderlichen technischen Mittel.
Diese Vorgangsweise veranlaßt die einheimische Bevölkerung, über ihre Bedürfnisse nachzudenken und gemeinsam an Verbesserungen zu arbeiten. Die Betreffenden haben die Befriedigung, selbst etwas zu leisten, und gewinnen die Zuversicht, daß sie in Zukunft ohne fremde Hilfe Verbesserungen herbeiführen können.
Die Führer des Gemeinwesens Sora Sora beispielsweise wollten mit besseren landwirtschaftlichen Methoden arbeiten und auf diese Weise die Erträge steigern. Die Stiftung half der Gemeinde, ein kostengünstiges Brunnenbaukonzept zu erstellen, Windräder zur Wasserförderung zu bauen, Wasserreservoirs anzulegen, Bewässerungskanäle zu graben und Glashäuser für Gemüsesorten zu errichten, die im kalten Andenklima sonst nicht angebaut werden könnten. Die Anlagen wurden von den Einheimischen selbst gebaut und werden nun auch von ihnen gewartet. Die Bevölkerung sieht, wie das Gemeinschaftsprojekt funktioniert und beginnt nun, dieselben Methoden auch in privaten landwirtschaftlichen Betrieben anzuwenden.
Mit Hilfe der Stiftung führen die Dorfgemeinden auch andere Projekte durch; so werden zum Beispiel Schulen gebaut, Gesundheitsfürsorgehelfer ausgebildet und neue Nahrungsquellen erschlossen.

Im Rahmen eines der von der Anden-Kinderstiftung gefördeten Projekte werden Fischzuchtanlagen gebaut. Einheimische heben einen von einer Quelle gespeisten Teich aus, pflasten Ufer und Grund mit Steinen und ziehen dann darin Fische, die als Proteinquelle ud Handelsware dienen.

Berufsausbildung für asiatische Flüchtlinge

Seit 1975 sind Tausende Flüchtlinge aus Asien in die USA geströmt, um dort ein neues Leben zu beginnen. Infolge von Sprachschwierigkeiten, kulturellen Barrieren und Unterschieden in der Berufsausbildung ist ein hoher Prozentsatz dieser Personen beschäftigungslos oder unterbeschäftigt geblieben.
In Zusammenarbeit mit der Gebietspräsidentschaft für Nordamerika West und dem Wohlfahrtsdienst in Kalifornien hilft die Kirche nun asiatischen Flüchtlingen — sowohl Mitgliedern als auch ihren Freunden, die nicht der Kirche angehören —, Englisch zu lernen, sich beruflich fortzubilden und eine geeignete Anstellung zu finden. Ehrenamtliche Helfer in den örtlichen Pfählen halten Eingewöhnungsseminare, Englischkurse und berufliche Fortbildungskurse. Geboten wird beispielsweise eine Ausbildung für Hotelpersonal oder als Teppichverleger oder eine Einführung in die elektronische Datenverarbeitung. Die Helfer bereiten die Flüchtlinge auf Bewerbungsgespräche vor, vermitteln Kleidungs- und Gesundheitsregeln und amerikanische Arbeitsweisen.
Die mitwirkenden Pfähle koordinieren ihre Arbeit mit dem Arbeitsvermittlungssystem der Kirche, um potentielle Arbeitgeber und Möglichkeiten für Gruppenkurse ausfindig zu machen.

Land- und Forstwirtschaft in Niger
n Niger, einem Land im Subsaharagürtel, herrscht eine bedrohliche Hungersnot und Dürre. Zwar gibt es Anbauflächen, aber ein großer Teil des Mutterboden ist vom Wind verweht worden.
Unter der Verwaltung von CARE wurden Gelder, die Mitglieder der Kirche anläßlich eines Sonderfasttages im Jahr 1985 gespendet haben, für Baumschulen im Majiatal in Westniger verwendet. Die Baumsetzlinge, die hier von den Dorfbewohnern gezogen werden, sollen später als Windschutz dienen. Sobald die Bäumchen groß genug sind, werden sie umgepflanzt, um die Anbauflächen der hier üblichen Kleinlandwirtschaften zu schützen, damit der lebenswichtige Mutterboden nicht vom Wind verweht wird. Durch dieses Projekt konnten Bauern ihre Erträge um bis zu 30 Prozent steigern.
Dieses Land- und Forstprojekt wird in enger Zusammenarbeit mit der staatlichen Forstbehörde von Niger durchgeführt, um den langfristigen Erfolg zu sichern. Es ist eines der erfolgreichsten Projekte dieser Art im afrikanischen Subsaharagürtel.
Isaac C. Ferguson, Juni 1989

Ein Fasten, wie ich es liebe

Par Brigtte :: 13/05/2008 à 14:12 :: Fasten

Viel zu viele Menschen in der Welt leiden Hunger. Und viel zu wenige kennen die Freude, die einem zuteil wird, wenn man so fastet, wie der Herr es wünscht.
Natürlich wird in beiden Fällen dem Körper die Nahrung versagt, doch sind Hungern und Fasten so weit voneinander entfernt wie das automatische Aufsagen eines auswendig gelernten Gebets von wahrer Kommunikation mit dem Vater im Himmel.
Was ist Fasten also, und welche Segnungen können uns zuteil werden, wenn wir nach diesem göttlichen Grundsatz leben?
Sehen wir uns die Segnungen einmal an. Schon im Alten Testament lesen wir vom Fasten, und eine der schönsten und aufschlußreichsten Schriftstellen dazu entstammt Jesajas Feder: „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.
Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier hin ich . Wenn du dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf, und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.
Der Herr wird dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren Wasser niemals versiegt.” (Kap. 58:6-11.)
Jesaja sagt hier im wesentlichen: Wenn wir nach dem Grundsatz des Fastens leben, werden wir bessere Menschen, der Herr steht uns dann nämlich in all unseren rechtschaffenen Anstrengungen zur Seite, und das ist doch ein Segen, nach dem zu trachten es sich lohnt.
Sehen wir aber noch einmal die erste Frage an? Was ist Fasten? Gehört dazu bloß, daß man einmal im Monat nichts ißt und trinkt?
Der Erretter bezeichnet das Fasten als Sichfreuen. In einer Offenbarung an den Propheten Joseph Smith sagt er: „An diesem Tag sollst du nichts anderes tun als mit Herzenslauterkeit deine Speise bereiten, damit dein Fasten vollkommen sei oder, mit anderen Worten, damit deine Freude vollständig sei.
Wahrlich, das ist Fasten und Beten oder, mit anderen Worten, Sichfreuen und Beten.” (LuB 59:13, 14.)
Der Herr bezeichnet das Beten hier interessanterweise als wesentlichen Bestandteil des Fastens oder Sichfreuens. Wenn wir uns durch Fasten demütigen, wird unser Beten noch zusätzlich verstärkt, und wir werden empfänglicher für die Weisung des Geistes. Das Beten macht unser Fasten zielgerichtet und gibt ihm einen bestimmten Zweck, so daß mehr daraus wird als bloßes „Hungern”.
Wenn wir unser Fasten mit Beten begleiten, geben wir uns dem Herrn in die Hand; wir zeigen ihm, daß wir bereit sind, seinen Rat zu befolgen, und daß wir uns bereitmachen für ein Festmahl im geistigen Sinn.
Fasten kann Geist und Körper erquicken. Es kann uns helfen, mit dem Herrn und mit unseren Brüdern und Schwestern in Einklang zu stehen.
Es kann unsere Verstandeskräfte beleben, und es kann uns helfen, daß wir denen, die weniger glücklich sind als wir – denen, die buchstäblich körperlich und geistig hungern – mit mehr Einfühlungsvermögen begegnen.
Wie bei Jesaja zum Ausdruck kommt, war es auch zu seiner Zeit üblich, zu fasten, um den Armen zu helfen. Diesen Grundsatz hat der Herr in diesen Letzten Tagen durch den Propheten Joseph Smith wieder eingeführt. Ursprünglich fiel der Fasttag auf den ersten Donnerstag im Monat, und das Essen, das man sonst an dem Tag verzehrt hätte, wurde zur Fastversammlung mitgebracht, um an die Bedürftigen verteilt zu werden. Später wurde der Fasttag von Donnerstag auf Sonntag verlegt.
Heute erwartet der Herr statt der Lebensmittelspende, daß die Mitglieder der Kirche den Betrag spenden, den sie für die beiden Mahlzeiten ausgegeben hätten, die sie während des Fastens nicht gegessen haben. Präsident Kimball fordert allerdings alle Mitglieder auf, die finanziell dazu in der Lage sind, mehr als den bloßen Gegenwert der Mahlzeiten zu spenden, auf die sie verzichtet haben. Auf der Generalkonferenz im April 1974 hat er gesagt:
„Ich glaube, wir sollten sehr großzügig sein und statt des Betrags, den wir durch das Auslassen von zwei Mahlzeiten eingespart haben, vielleicht viel, viel mehr geben – zehnmal soviel, wenn wir das können.”
Zwar fasten wir grundsätzlich am ersten Sonntag im Monat, doch ist es auch bei anderen Gelegenheiten angebracht zu fasten. Wenn wir fasten, weil wir irgendein besonderes Anliegen haben, können uns daraus große geistige Segnungen erwachsen.
Eltern können beispielsweise dafür fasten, daß ihr krankes Kind wieder gesund wird. Man kann fasten, während man sich auf eine Prüfung vorbereitet oder während man die Prüfung ablegt, damit man einen klaren Kopf hat und empfänglich ist für Inspiration. Wenn man berufen wird, eine Hilfsorganisation zu leiten, kann man fasten, um zu erkennen, wen einem der Herr als Ratgeber zugedacht hat. Als Lehrer kann man fasten, wenn man sich auf einen besonders schwierigen Unterricht vorbereitet. Als Ehemann und Vater kann man fasten, wenn es um die Entscheidung geht, ob man sich um eine neue Stelle bewerben oder auch zu einem anderen Beruf umschulen lassen soll. Und wie Alma in alter Zeit können wir fasten, wenn wir nach dem Geist der Offenbarung trachten. (Siehe Al 5:46.)
Ein solches Fasten braucht nicht lange zu dauern. Es darf nicht gesundheitsschädlich sein, und langes Fasten kann dem Körper wesentliche Nährstoffe entziehen. Es kann sein, daß manche Menschen, die an einer chronischen Krankheit leiden, nicht fasten sollten. Wer aber fasten würde, wenn er könnte, ist dem Herrn bekannt, und der Herr segnet ihn um seiner Herzensabsicht willen mit dem Geist des Fastens.
Präsident Joseph F. Smith hat einmal darüber gesprochen:
„Der Herr hat das Fasten auf eine vernünftige und verständliche Grundlage gestellt, und er tut nichts, was zwecklos oder ohne Weisheit wäre. Sein Gesetz ist in dieser Hinsicht ebenso vollkommen wie in anderen Bereichen. Darum wird von einem jeden, der dazu imstande ist, die Befolgung des Gesetzes verlangt; er kann sich dieser Verpflichtung nicht entziehen. Man muß sich aber vor Augen halten, daß das Einhalten des Fasttags durch ein 24stündiges Nichtessen und Nichttrinken keine unumstößliche Regel ist, keine eiserne Vorschrift, sondern es bleibt den Mitgliedern als Gewissenssache überlassen, hier Weisheit und Urteilsvermögen walten zu lassen. Viele leiden an Körperschwäche, haben einen zarten Gesundheitszustand oder stillen ein Kind; von diesen soll man nicht verlangen, daß sie fasten. Auch sollen die Eltern ihre kleinen Kinder nicht zum Fasten zwingen. Ich habe erlebt, daß Kinder am Fasttag vor Hunger geweint haben. So ein Fasten hilft den Kindern überhaupt nicht. Statt dessen haben sie vor dem nächsten Fasttag Angst und begrüßen ihn nicht, sondern verabscheuen ihn. Der Zwang weckt außerdem in ihnen eine widerspenstige Haltung, nicht aber die Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Es ist besser, sie den Grundsatz zu lehren und dann die Befolgung erst von ihnen zu verlangen, wenn sie alt genug sind, sich selbst vernünftig zu entscheiden. Das ist besser als sie zwingen.” (Evangeliumslehre, 1970, S. 274.)
Fasten hilft uns, demütig zu werden wie ein kleines Kind. Es hilft uns, das zu schätzen, was wir haben. Es hilft uns, den irdischen Körper, mit dem wir gesegnet sind, besser zu beherrschen. Und wenn wir unseren Glauben durch Fasten bekunden, segnet uns der Herr über die Maßen.
In der Wohlfahrtsversammlung der Frühjahrs-Generalkonferenz 1971 erzählte Präsident Marion G. Romney, Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, davon, wie er von Elder Melvin J. Ballard als Missionar eingesetzt worden war. Er sagte, er habe aus diesem Segen sehr viel gelernt. Elder Ballard habe erklärt, man könne dem Herrn keine Brotkruste geben, ohne dafür einen ganzen Laib zurückzubekommen.
„Und das habe ich auch erfahren”, bezeugte Präsident Romney. „Wenn die Mitglieder der Kirche ihr Fastopfer verdoppeln würden, würde auch die geistige Gesinnung doppelt stark.”
Was geschieht mit dem Fastopfer? Der Bischof bzw. Zweigpräsident verwendet die gespendeten Geldmittel dazu, denen in seiner Herde zu helfen, die sich nicht selbst helfen können, und er tut das mit Gebet. Er weiß, er muß dem Herrn Rechenschaft darüber ablegen, wie er die Spenden verwendet hat. Er muß sie weise verwalten und sich vergewissern, ob die beabsichtigten Empfänger solcher Hilfe auch würdig sind. Er muß sich vergewissern, daß sie alle übrigen Hilfsquellen in der näheren oder entfernten Verwandtschaft ausgeschöpft haben. Im vertraulichen Gespräch stellt er fest, was das Mitglied an Lebensmitteln, Kleidung und Wohnraum braucht.
Die Hilfe aus dem Fastopferfonds ist aber nicht ganz und gar als Geschenk zu betrachten. In dem Gespräch beschließen der Bischof und der Empfänger auch, wie die Rückzahlung geieistet werden soll, ob in Form von Dienst- oder Arbeitsprojekten oder später in großzügigen Fastopferspenden.
Wenn der Bischof bzw. Zweigpräsident am Monatsende noch einen Überschuß an Fastopfergeldern hat, so leitet er diesen an den Pfahl- bzw. Distriktpräsidenten weiter, der das Geld bei Bedarf an andere Gemeinden weitergeben kann. Wenn im Pfahl kein Bedarf daran besteht, wird der Überschuß dann an den Hauptsitz der Kirche überwiesen, um in bedürftigen Gebieten verteilt zu werden.
Wenn wir also nach dem Grundsatz des Fastens leben und ein großzügiges Fastopfer geben, werden nicht nur wir selbst gesegnet, sondern wir gereichen auch unseren Mitmenschen zum Segen. Von diesen Segnungen können wir am Fastsonntag Zeugnis geben, und ein Zeugnis, das an diesem besonderen Sonntag gegeben wird, hat mehr Kraft und Stärke, und die Gemeinde ist wohl an diesem Tag empfänglicher für die Eingebungen des Geistes.
Auch in alter Zeit lehrte der Herr seine Jünger, sie sollten füreinander dasein: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.” (Mt 25:40.)
Wenn wir uns diese Aussage des Erretters ins Gedächtnis zurückrufen und erkennen, was wir unseren Mitmenschen Gutes tun, müssen wir auch darüber nachdenken, was uns persönlich und als Gemeinschaft Gutes zuteil wird, wenn wir den Grundsatz des Fastens befolgen.
Helaman berichtet von den Nephiten: „Sie fasteten und beteten oft und wurden in ihrer Demut stärker und stärker, wurden immer standhafter im Glauben an Christus, so daß ihre Seele mit Freude und Trost erfüllt wurde, ja, so daß ihr Herz gereinigt und geheiligt wurde, und diese Heiligung kommt zustande, wenn man sein Herz Gott hingibt.” (He 3:35.)
Wir müssen jeder selbst entscheiden, ob und wie wir fasten wollen. Wir können uns dafür entscheiden, widerwillig zu fasten, und uns mit dem „Hungern” begnügen. Oder wir können großzügig fasten und uns am Fasten freuen, uns freuen an der Zustimmung des Herrn und für uns selbst und für unsere Mitmenschen den Segen ernten. Wer das letztere erlebt hat, wird wohl niemals wieder mit Widerwillen fasten.
David Mitchell, November 1981


Fasten -- ein Segen

Par Brigtte :: 13/05/2008 à 13:57 :: Fasten
Beim Fastopfer großzügig sein gehört zu dem, was der Herr uns als wichtig aufgetragen hat. Sie sollen wissen, daß der Lohn dafür groß ist – sowohl geistig wie zeitlich. Der Herr hat gesagt, unser Beten ist so wirksam, wie wir den Armen gegenüber großzügig sind (s. Al 34:28). Als die Menschen in den Tagen Jesajas klagten: „Warum fasten wir, und du siehst es nicht? Warum tun wir Buße, und du merkst es nicht?” (Jes 58:3), antwortete der Herr mit dieser Frage: „Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht, wenn man den Kopf hängen läßt, so wie eine Binse sich neigt, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten, wie es dem Herrn gefällt?” (Jes 58:5.)
Wie ähnlich ist es doch auch bei uns! Wie leicht bekommen wir doch Kopfschmerzen, wenn wir fasten, und manchmal meinen wir, wir würden gar verhungern. Zu den Israeliten in alter Zeit hat der Herr gesagt:
„Das ist ein Fasten, wie ich es liebe, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden ... Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich ... Wenn du dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf, und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.” (Jes 58:6-10.)
Denken wir an diese unvergleichlichen Segnungen! Sie sind denen verheißen, die großzügig zum Unterhalt der Armen beitragen.
„Der Herr wird dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren Wasser niemals versiegt.” (Jes 58:11.)
Ich erinnere mich noch, wie mir Melvin J. Ballard vor langer Zeit – es sind jetzt über sechzig Jahre her – die Hände auflegte und mich als Missionar einsetzte. In dem Segen, den er mir gab, sagte er, für jede Brotrinde, die man dem Herrn gebe, bekomme man einen ganzen Laib zurück. Und genauso habe ich es auch erlebt.
Über das eigentliche Wesen und den Zweck des Fastens sowie über den Zweck des Fastopfers hat Präsident Heber J. Grant gesagt:
„Ich verheiße Ihnen hier und heute:
Wenn die Heiligen der Letzten Tage als ganzes Volk von heute an den monatlichen Fasttag ehrlich und gewissenhaft halten und dazu den Zehnten ehrlich bezahlen, so werden dadurch alle Schwierigkeiten in bezug auf die zeitliche Versorgung der Heiligen der Letzten Tage gelöst .. .
Jeder einzelne Heilige der Letzten Tage, der einmal im Monat zwei Mahlzeiten lang fastet, wird daraus geistigen Nutzen ziehen und im Glauben an das Evangelium des Herrn Jesus Christus gestärkt werden. Es wird ihm auf wunderbare Weise geistig nützen, und der Bischof wird genügend Mittel in der Hand haben, um für alle Armen zu sorgen.” (Gospel Standards, vergl. G. Homer Durham, Improvement Era, 1941, S. 123.)
Alles, was wir zur Unterstützung der Armen unternehmen, muß daran gemessen werden, was dabei in geistiger Hinsicht erreicht wird. Der Geber muß aus einem rechtschaffenen Herzen und mit willigem Geist geben. Der Empfänger muß die Gabe dankbar und frohen Herzens empfangen. Der Geist muß das Urteil des Bischofs im Hinblick auf die Hilfeleistung bestätigen. Wenn wir uns in rechtschaffener Absicht an diesem großen Werk beteiligen, wird unsere Seele geheiligt und unser Verstand erweitert. Indem wir durch das Erfüllen dessen, was uns obliegt – was dies auch sein mag – geistig reifen, machen wir uns bereit, „an der göttlichen Natur Anteil zu erhalten” (2Petr 1:4). Von einem solchen Maß an Geist erfüllt zu sein, daß wir mit dem Band der Nächstenliebe versiegelt werden, das sei unsere glückliche Bestimmung.
Moroni nennt diese Nächstenliebe „die reine Christusliebe”, und sie dauert für immer fort, und bei wem am letzten Tag gefunden wird, daß er sie besitzt, mit dem wird es wohl sein.
„Darum, meine geliebten Brüder, betet mit der ganzen Kraft des Herzens zum Vater, daß ihr von dieser Liebe erfüllt werdet, damit wir, wenn er erscheinen wird, so sein werden wie er – denn wir werden ihn sehen, wie er ist –, damit wir rein gemacht werden, ja, wie er rein ist.” (Moro 7:47,48.)
Wir alle sollten dem Fasten Beachtung schenken. Solange wir nicht gelegentlich fasten und oft beten, haben wir den Herrn nicht wirklich angerufen, so daß wir ihm nahe sind. Wenn wir das tun, können wir viele unserer persönlichen Schwierigkeiten bewältigen. Erinnern Sie sich, was der Herr zu seinen Jüngern gesagt hat, als sie den bösen Geist nicht austreiben konnten? Sie hatten ihn gefragt, weshalb sie es nicht vermochten, wo es Jesus doch so leicht gefallen war. Er gab zur Antwort, diese Art könne nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden (s. Mk 9:29, Fußnote).
Erhöhen wir unser Fastopfer und tragen wir dazu bei, die Heiligen in der ganzen Kirche zur Nachahmung anzuregen. „Der Reiche, der für den Lazarus nur Krümel übrig hat, soll nicht meinen, er sei reif für die celestiale Herrlichkeit.” (Hyrum M. Smith und Janne M. Sjodahl: „Doctrine and Covenants Commentary”, S. 480.) Wer in diese Herrlichkeit eingehen will, muß den Armen und Bedürftigen großzügig von dem abgeben, was er besitzt. Geben Sie großzügig, damit auch Sie selbst wachsen können. Geben Sie nicht nur zum Nutzen der Armen, sondern auch um Ihrer eigenen Wohlfahrt willen. Geben Sie genug, daß Sie ins Reich Gottes kommen können, indem Sie Ihre Mittel und Ihre Zeit weihen. Bezahlen Sie Ihren Zehnten ehrlich und Ihr Fastopfer großzügig, wenn Ihnen an den Segnungen des Himmels liegt. Ich verheiße einem jeden, der das tut: Er wird auch selbst gedeihen, geistig und zeitlich. Der Herr wird ihn gemäß seinen Taten belohnen.
Ich bete darum, daß jeder von uns diese wesentlichen Grundsätze lernt und anwendet und dadurch den verheißenen Lohn erlangt.

Marion G. Romney, Dezember 1982

Das Fasten -- eine Gabe der Freude

Par Brigtte :: 13/05/2008 à 13:53 :: Fasten
 

Für mich ist das Fasten nicht der am leichtesten zu befolgende Evangeliumsgrundsatz. Doch vor einem Jahr kam ich zu der Erkenntnis. daß es höchste Zeit für mich sei, wieder regelmäßig zu fasten. Im Zusammenhang mit diesem Vorsatz beschloß ich auch, mich um Erkenntnis darüber zu bemühen, wie ich das Fasten sinnvoller gestalten könne so, daß der Herr es eher anerkennen könne und es meine Geistigkeit vertiefen werde.
Es kam der Fastsonntag. Ich beabsichtigte, vom Samstagnachmittag bis nach der Fast- und Zeugnisversammlung am Sonntagnachmittag zu fasten. Am Samstagabend besuchte ich jedoch eine Zusammenkunft, wo Erfrischungen gereicht wurden. Und so änderte ich meinen Plan: Ich wollte spät am Samstagabend mit dem lasten beginnen und es spät am Sonntagabend beenden.
Am nächsten Morgen bemühte ich mich wie üblich in großer Eile, meinen drei kleinen Mädchen das Frühstück zu geben und sie für die Sonntagsschule fertigzumachen. Plötzlich ertappte ich mich dabei, wie ich mir herabgetropften Honig von den Fingern leckte und mir Brotkrusten in den Mund schob, die die Kinder nicht mehr gemocht hatten. Als mir die Bedeutung meines Verhaltens bewußt wurde, verlor ich den Mut und fühlte mich schwach, sodaß ich es für diesmal aufgab zu fasten.
Ich nahm mir vor, später an einem Wochentag zu fasten, um mein Versagen auszugleichen. Es verging jedoch die Woche und schließlich der ganze Monat, ohne daß ich mein Ziel erreicht hätte. Und so kam der nächste Fastsonntag.
Diesmal waren die Umstände anders. Präsident Spencer W. Kimball bat die Mitglieder der Kirche, wegen der Wetterverhältnisse zu fasten und zu beten. In einigen Gebieten war es nämlich bitter kalt, und es schneite, während andere Landstriche von einer Dürre heimgesucht wurden. Es war ein erhebendes Gefühl zu wissen, daß ich mit hunderttausenden gemeinsam das ausführte, wozu uns ein Prophet Gottes aufgefordert hatte. Durch dieses Bewußtsein wurde ich so angespornt, daß ich mein Ziel erreichte.
Doch obwohl ich 24 Stunden weder aß noch trank, war ich mit meinem Bemühen nicht ganz zufrieden. Der Tag war nicht viel anders als die meisten Sonntage gewesen: ich war aber der Meinung, das Fasten müsse sich irgendwie auch auf den Ablauf des Tages auswirken, wenn es von Bedeutung sei. Da ich wußte, daß das Fasten wichtig ist, kam ich zu dem Schluß, daß ich nicht richtig fastete.
Und so nahm ich mir vor, mich in die Schrift zu vertiefen und mich mit den Grundsätzen des Fastens zu beschäftigen.
Ich wollte mich aber nicht auf das Lesen der Schrift beschränken, sondern las zur Ergänzung auch die Richtlinien über das Fasten, die wir von neuzeitlichen Propheten erhalten haben. Darin kam folgendes klar zum Ausdruck: Man soll den Fasttag in der Weise begehen, daß man sich zweier aufeinanderfolgender Mahlzeiten enthält und während dieser Zeit weder ißt noch trinkt; auch soll man die Fast- und Zeugnisversammlung besuchen und ein großzügiges Fastopfer spenden.
Mit diesem Wissen und dem innigen Wunsch, wirklich das Rechte zu tun, war ich bereit, das Gelesene praktisch auf die Probe zu stellen. Ich kannte das Gesetz des Fastens, und ich wußte, daß ich dieses Gesetz nach dem Buchstaben befolgen konnte. Die eigentliche Veränderung unseres Wesens wird jedoch durch den Geist des Gesetzes bewirkt, das wir befolgen. Ich faßte den Vorsatz, nach dem Geist des Fastens zu streben und mich dabei auf die fünf nachstehenden Bereiche zu konzentrieren:
  • Den Geist der Liebe zu  Gott und zu meinen Mitmenschen. Dies sind die beiden wichtigsten Ziele, und sie  verlangen, daß man ständig daran arbeitet. Mir fällt es zuweilen nicht nur  schwer, einige Menschen zu lieben, sondern es bereitet mir manchmal schon  Schwierigkeiten, nur den Wunsch zu haben, daß ich sie lieben könnte. Wenn ich aber an Gottes Liebe denke, bin ich von der Erkenntnis überwältigt,  daß ich ihm selbst dann nur eine klägliche Gabe darbringe, wenn ich so  viel Liebe aufbringe, wie es mir möglich ist.
  • Den Geist des Opferns  und Dienens. Das Fastopfer ist nur ein Anzeichen dafür, daß man von diesem  Geist durchdrungen ist. Ein weiteres Anzeichen muß meine Bereitschaft  sein, anderen Zeugnis zu geben. Auch muß ich eifrig nach zusätzlichen  Möglichkeiten Ausschau halten, wie ich meine reichen Segnungen mit anderen  teilen kann. Manchmal scheint es mir, als hätte ich noch nicht einmal  begonnen zu begreifen, was Opfersinn eigentlich bedeutet.
  • Den Geist der  Brüderlichkeit und der Gemeinschaft mit den Heiligen. Es erfüllt mich mit herrlicher Freude zu wissen, daß ich nicht allein faste. sondern mit allen  Mitgliedern der Kirche gemeinsam dieses segensreiche Gesetz befolge, und  daß uns Einigkeit stark machen kann.
  • Den Geist der Gemeinschaft mit Gott. An einem Tag im Monat kann ich mich von allen  Ablenkungen freimachen (außer von meinen drei kleinen Kindern, die mich in  meinem Bestreben noch nicht recht unterstützen können) und mich aufrichtig      bemühen, mein Herz zu reinigen, so daß mein Körper ein reiner Tempel ist und ich mit Gott eins sein kann.
  • Den Geist der Selbstbeherrschung. Ich betrachte es als ein Zeichen der Demut, daß ich  beim Fasten Willenskraft anwende, denn ich ordne meinen Villen dem Willen des Herrn unter: mich bewegt der Wunsch, meine geistige Macht zu  vergrößern und meinen Körper besser zu beherrschen, und ich bin bereit, dafür Buße zu tun, daß ich entgegen den Wünschen des Herrn handeln wollte oder gehandelt habe.
  •  

    Ich fastete im Hinblick auf alle diese Prinzipien. Zum erstenmal fastete und betete ich darum, daß ich einer bestimmten Versuchung widerstehen könne, die mir zu schaffen gemacht hatte. Das Resultat kam einem Wunder gleich. Nicht nur, daß ich der Versuchung jetzt widerstand ‑ es war gar keine Versuchung mehr für mich! Ich widerstand nicht nur der Sünde, sondern wollte gar nicht mehr sündigen. Auf diese Weise wurde ich sogleich gesegnet.

    Ich erkannte, daß es für mein geistiges Wachstum wichtig war, bald wieder zu fasten, und nicht erst einen ganzen Monat zu warten. Diesmal fastete und betete ich wegen einer Entscheidung, die mir bisher Schwierigkeiten bereitet hatte. Das Für und Wider dabei hob sich fast gegenseitig auf, und ich hatte mir schon mehrere Wochen den Kopf darüber zerbrochen. Nachdem ich deswegen gefastet und gebetet hatte, erkannte ich plötzlich, wie ich zu handeln hatte, und ich brauchte keinen Augenblick mehr daran zu zweifeln, daß dies die bestmögliche Entscheidung war. Nach dem Fasten erlangte ich ein feineres Gefühl dafür, was für Nahrung ich meinem Körper zuführen soll. Irgendwie erschien mir mein Körper jetzt heiliger, und ich wollte von nun an nichts Unreines oder Unnötiges mehr essen. Es scheint fast, daß wir durch das Fasten ein Gespür dafür bekommen, welche Lebensmittel als echte Nahrung zu betrachten sind und welche unseren Organismus nur verunreinigen.

    Ich schien jetzt auch klarer und prägnanter denken zu können. Ich konnte mich vollkommen konzentrieren, wenn ich im Tempel war. Zwar fühlte ich mich während des Fastens körperlich schwach, doch hatte ich auch den Eindruck, daß ich nach dem Fasten mehr Arbeit leisten und ausdauernder arbeiten konnte.

    Ich fühlte mich auch meinem Mann und meinen Kindern herzlicher zugetan; eine überquellende Liebe und Zuneigung erfüllte mich. Ich schien öfter als früher in der Abendmahlsversammlung zu weinen, und sie bedeutete mir mehr als bisher. Ich bin sicher, daß sich an den Versammlungen selbst nichts geändert hatte, sondern daß ich gefühlsmäßig und geistig empfänglicher geworden war.

    Als weitere wichtige Segnung für mein Fasten hat sich meine Fähigkeit stärker ausgeprägt, schlechte Einflüsse und Versuchungen als solche zu erkennen und ohne weiteres Nachdenken sofort von mir zu weisen.

    Als ich erneut danach zu streben begann, so zu fasten, wie der Herr es wünscht, fand ich einige nützliche praktische Hilfsmittel. Nachstehend habe ich einen Teil dieser Gedanken aufgeführt.

    1. Fasten Sie gemeinsam  als Familie. Schöpfen Sie Kraft und geistigen Antrieb aus dem Vorbild, das uns das Priestertum gibt, und stärken Sie sich gegenseitig hei Ihrem      Bemühen. Wer noch nicht alt genug ist, sich von Speise und Trank zu  enthalten, kann immerhin am Geist des Fastens teilhaben — beten und  Begebenheiten aus der Schrift kennenlernen, singen und über die eigenen  Segnungen sowie darüber nachdenken, wie man anderen dienen kann.
    2. Entwerfen Sie einen  ausführlichen Plan, wie Sie anderen dienen und Opfer bringen wollen. Seien  Sie beim Fastopfer stets großzügig, und streben Sie nach Inspiration  darüber, was sie nach dem Willen des Herrn zusätzlich für andere tun      sollen.
    3. Bereiten Sie sich sorgfältig auf das Fasten vor, so daß Sie nicht mehr körperliche Arbeit      verrichten müssen als unbedingt nötig. Für mich bedeutet dies, daß ich im  voraus plane, was die Kinder anziehen und was sie essen werden. Ehe am  Samstag mein Fasten beginnt, versuche ich auch vorzubereiten, womit sich die Kinder am Sonntag beschäftigen können.
    4. Ich treffe meine Vorbereitungen  so sorgfältig, daß meine Geduld nicht überfordert wird. Ich plane  reichlich Zeit für die Vorbereitungen auf den Besuch der Versammlungen ein, so daß wir uns nicht zu beeilen brauchen.
    5. Ich plane Zeit für intensives Beten ein. Dies ist besonders jetzt wichtig für mich, wo meine drei kleinen Mädchen bei allem dabeisein möchten. Manchmal können wir als  Familie beten: manchmal bete ich zusammen mit meinem Mann, während die  Kinder schlafen, und manchmal kann einer von uns allein beten, während der  andere sich auf die Kinder konzentriert. Ausgiebig allein beten kann ich am besten mitten in der Nacht.
    6. Ich faste und bete zu einem bestimmten Zweck oder für eine spezielle Segnung. Es kann sich um ein persönliches oder um ein Problem der Familie handeln, um eine Segnung, die jemand anders benötigt, oder um etwas, was die ganze Kirche oder unser  Land betrifft: Zu letzterem gehört das Fasten für eine Änderung der Wetterverhältnisse.
    7. Ich tue für meine  Sünden Buße. Ich ringe um Kraft, damit ich mich ändern kann, und um  Inspiration, damit ich weiß wie ich es zuwege bringen kann. Ich suche nach  Möglichkeiten, wie ich meine Fehler wiedergutmachen kann und diejenigen, denen ich Unrecht getan habe, veranlassen kann, daß sie mir vergeben.
    8. Ich vertiefe mich in  die Schrift und sinne darüber nach. Ich versuche geistige Tiefen zu      ergründen, die ich noch nicht erfaßt habe. Ich greife auf das Wissen  meines Mannes zurück, um Antwort auf meine Fragen zu finden. Die Schrift  lese ich nicht nur Seite für Seite, sondern gehe auch nach Themen vor. Ich  suche nach Wegen, wie ich meine Kinder dahin führen kann, daß sie die  Schrift kennen und lieben.
    9. Ich preise Gott und zeige ihm, daß ich für seine Segnungen dankbar bin. Ich singe ihm  Loblieder und erfreue mich meiner Bindung an ihn. Ich lege anderen von ihm  und von seiner Güte Zeugnis ab.
    10. Ich vermeide  gesellschaftliche Konflikte und Ablenkungen. Hochzeitsempfänge und Partys,  Bankette und Sportveranstaltungen am Samstagabend sowie Bankette am  Sonntag sind vielleicht nicht dazu angetan, das Fasten und die geistige Verbindung mit Gott zu fördern.
    11. Meine Erfahrungen lege  ich in meinem Tagebuch nieder. Ich preise Gott darin, schreibe auf, wofür  ich Buße tue und wie ich mich ändern will, kommentiere Schriftstellen, die  ich gelesen habe, und halte darin fest, was ich unternehmen will, um  anderen zu dienen. Außerdem schreibe ich den Zweck auf, wofür ich jedesmal faste, und lege mein Zeugnis schriftlich nieder. Wenn wir regelmäßig  solche Tagebucheintragungen vornehmen, können wir damit in hervorragender  Weise unser Zeugnis stark erhalten, uns den Weg aufzeigen, wie wir uns  ändern können, und uns den nötigen geistigen Antrieb dazu geben. Auch  unsere Kinder und Kindeskinder können wir damit begeistern. Die Wunder,  die sich in unserem Lehen ereignen, verblassen schnell in unserem Gedächtnis, aber unsere Tagebucheintragungen können die Erinnerung daran  wieder wachrufen und unser Herz mit Sehnsucht nach dem ewigen Leben, einem  Leben voller unablässiger Wunder, erfüllen.
      Obwohl man mein Fasten noch immer nicht völlig zu Recht als „Freude und Gebet" bezeichnen kann, fühle ich mich diesem Ideal jetzt viel näher als vor einem Jahr. Ich bin dankbar für die Gewißheit, dal3 Gott lebt, daß wir seine Kinder sind und daß wir seinem Wunsch gemäß Freude erlangen sollen. Jetzt bin ich überzeugt davon, daß das Fasten ein unverzichtbarer Bestandteil dieser Freude ist. Es stellt einen entscheidenden Faktor bei unserem Bestreben dar, alle unsere Schwächen abzulegen, alle unsere Fähigkeiten zu entwickeln und vollkommen zu werden, so daß wir wieder zu unserem Vater im Himmel zurückkommen können. Ich bin ihm sehr dankbar dafür, daß er mir offenbart hat, wie sehr uns das Fasten auf dem Weg zurück in seine Gegenwart helfen kann.
    Sheryl  Condie Kernpton, Juli 1978


    Manolis erster Fasttag -- von Carol Ann Baughman Rivero

    Par Brigtte :: 13/05/2008 à 13:46 :: Fasten
      Seit vielen Jahren findet in unserer kleinen Stadt in Spanien einmal in der Woche eine Heim-FHV statt. Da die meisten Frauen, die daran teilnehmen, irgendeiner anderen Glaubensgemeinschaft angehören, haben wir uns anfangs davor gescheut, die Lektionen aus dem FHV-Leitfaden, in denen es um die Lehre der Kirche geht, durchzunehmen. Aber allmählich haben wir dann doch auch die Lektionen aus dem Themenkreis „Geistiges Leben" besprochen.

    Einen Morgen habe ich gebeterfüllt nach einem Thema gesucht, das die Frauen inspirieren konnte. „Was sollen die Frauen diese Woche hören, Vater'" betete ich.

    Dann stieß ich auf eine Lektion über das Fasten und Beten. Ich fühlte mich inspiriert, diese Lektion zu besprechen, aber ich fragte mich auch, wie die Vorstellung vom Fasten wohl bei denen ankam, die keine Mitglieder der Kirche waren. Ich beschloß, der Inspiration Folge zu leisten, da ich bereits vor langer Zeit gelernt hatte, die Eingebungen des Geistes nicht in Frage zu stellen.

    Der Unterricht lief gut, und es wurden viele Gedanken und Zweifel klargestellt. Den Frauen wurde klar, daß das Fasten im Verein mit dem Beten ein mächtiges Hilfsmittel ist, von dem jeder Gebrauch machen kann. Als ich im Gehen begriffen war, kam eine Frau, die nur selten unsere Versammlungen besuchte, zu mir und fragte: „Kann ich auch fasten?"

    „Natürlich, Manoli", antwortete ich. „Jeder kann fasten. Der himmlische Vater zieht keins seiner Kinder vor." Manoli war affensichtlich beunruhigt, und sie fragte weiter: „Meine Mutter ist seit zwei Jahren in einer Nervenklinik. in letzter Zeit geht es ihr schlechter, und sie erkennt mich und meine Schwester nicht einmal mehr. Wir fühlen uns so hilflos, wenn wir sie besuchen. Es tut sehr weh, das mitansehen zu müssen."

    Ich erklärte Manoli, ich würde anfangen, mit ihr zu fasten. Wir begannen mit einem Gebet. Als wir uns von den Knien erhoben, erklärte ich ihr, daß der himmlische Vater unser Beten und Fasten immer erhört ‑ allerdings zu seiner Zeit und auf seine Weise.

    Am nächsten Tag hörte Manoli von ihrer Schwester, das Krankenhauspersonal habe die Beruhigungsmittel, die ihre Mutter immer bekommen habe, abgesetzt, weil es ihr wesentlich besser gehe. Die qualvollen Schmerzen, die sie vorher gehabt hatte, waren verschwunden, und sie lag friedlich im Bett- Sie starb am darauffolgenden Tag, aber Manoli fand Trost in der Gewißheit, daß ihre Mutter friedlich und ohne Schmerzen gestorben war.

    Ich habe ans diesem Erlebnis viel -Ich habe aus diesem Erlebnis viel gelernt. Ich weiß, daß der himmlische Vater an Manoli gedacht l   hat, als er mich inspirierte, eine Lektion durchzunehmen, die die beiden Schwestern   auf den Tod  ihrer Mutter vorbereitete.

    Par Brigtte :: 13/05/2008 à 13:41 :: Fasten

    In der Zeit der Pioniere war Willard R. Smith als Diakon in Salt Lake City beauftragt, in seinem Häuserblock das Fastopfer einzusammeln. Bei dieser Aufgabe unterstand er Peter Reid, der die Pflicht hatte, dafür zu sorgen, daß das Fastopfer eingesammelt wurde und daß die in Sachwerten geleisteten Fastopferspenden an die Bedürftigen verteilt wurden. Jeden Freitagabend kam er zu Willards Haus und sagte ihm, daß der kleine Wagen geputzt und geölt und für diese Aufgabe bereit sei.

    Willard besuchte jedes Haus in seinem Block, ganz gleich, ob dort Mitglieder oder Nichtmitglieder wohnten. So bot er jedem die Möglichkeit, etwas für die Armen zu gehen.

    Einmal war für einen Samstag ein Spiel von Willards Fußballmannschaft angesetzt, und Willard war sehr darauf erpicht mitzuspielen. Zwar wußte er, was man von ihm erwartete, nämlich, daß er das Fastopfer einsammelte, doch dachte er, wie er später berichtet hat, anders: „Ich wollte mehr als alles andere bei diesem Spiel dabeisein. Ich zog das Vergnügen der Pflicht vor und spielte Football. Bis auf den heutigen Tag habe ich als Folge davon im Gesicht eine Narbe. Früh am nächsten Morgen klopfte Bruder Reid an unsere Hintertür und fragte nach mir. Ich hatte ein schlechtes Gewissen — ich wäre am liebsten weggelaufen und hätte mich versteckt - doch dann trat ich ihm mit gesenktem Kopf gegenüber. Er sagte nur: „Willard. hast du Zeit, einen kleinen Spaziergang mit mir zu machen?"

    Es war ein kalter Herbsttag.

    Ich ging mit ihm. Wir gingen zuerst zu einem kleinen von Häusern eingerahmten Platz an der Ecke der ersten Straße Nord und der dritten Straße West. Er klopfte sacht an eine der Türen. und eine kleine und magere Frau öffnete.

    Sie sagte: „Bruder Reid, wir haben gestern keine Lebensmittel von ihnen bekommen, wir haben nichts zu essen im Haus.“

    Bruder Reid antwortete ihr: „Es tut mir leid, Schwester, aber ich bin sicher, daß wir noch vor dem Abend etwas für Sie haben."

    Wir gingen dann zu einer andren Tür am entgegengesetzten Ende des Platzes. Auf unser Klopfen rief jemand, wir sollten hereinkommen.

    Wir traten ein undflanden einen alten Mann und seine Frau im Bett. Er sagte: „Bruder Reid, wir haben keine Kohlen mehr und müssen im Bett bleiben, wenn wir nicht erfrieren wollen.“ An einer anderen Tür begrüßte uns eine ärmliche Mutter mit ihren kleinen Kindern, die sich dicht an sie drängten. Das kleinste schrie, und die übrigen Kinder hatten tränenverschmierte Gesichter. Das genügte! Als wir uns trennten, sagte Bruder Reid liebevoll: „Willard, wenn jemand seine Pflicht vernachlässigt, muß ein anderer darunter leiden.“ Ich war dem Weinen nahe — meine schreckliche Pflichtvergessenheit überwältigte mich. Er legte mir die Hand auf die Schulter und ging. Die Leute erhielten noch am frühen Nachmittag ihre Lebensmittel und ihre Kohlen — und ich halte etwas sehr Nützliches und Wertvolles gelernt" (Leitfaden für das Melchisedekische Priestertum, 1976/77, S. 268f.).

    Bruder Smith' Erlebnis zeigt deutlich, daß das Spenden des Fastopfers mehr bedeutet, als Geld in einen Umschlag zu legen ‑ es bedeutet, daß man Menschen hilft, die in Not sind. Anscheinend vergessen wir aber oft die Bedeutung des Fastopfers oder spielen sie gar herunter. Viele von uns legen — mit Recht das Hauptgewicht auf den Zehnten; schließlich hat man uns beigebracht, daß alle, die den Zehnten zahlen, die Wiederkunft Christi überstehen werden. Wir hören, was Lorenzo Snow in St. George in Utah erlebt hat (darüber berichtet der Film „Des Himmels Fenster"), und man erinnert uns daran, daß ein Mensch Gott berauben kann, indem er seinen Zehnten nicht gibt (Maleachi 3:8-10).

    Betrachten wir ebendiese Schriftstelle jedoch genauer, so tritt eine sehr bedeutsame Wahrheit zutage: Auf die Frage: ,,Womit betrügen wir dich?" antwortet der Herr nämlich: „Mit dem Zehnten und der Opfergabe!" (V. 8). Die Führer der Kirche haben erkannt, daß viele von uns nachdrücklicher auf die Bedeutung des Fastopfers aufmerksam gemacht werden müssen. Deshalb haben sie damit begonnen, diesen Punkt zu betonen. Das Fastopfer ist es in der Tat wert, daß wir ihm unsere ernsthafte Aufmerksamkeit schenken. Präsident Heber J. Grant hat sogar gesagt: „Das Fastopfer ist das grundlegende Gesetz für die Wohlfahrt unseres Volkes" (zitiert von Harold B. Lee auf der Wohlfahrts- und Landwirtschaftsversammlung am 3, April 1971). 1971 forderte Marion G. Romney die Mitglieder der Kirche auf, ein doppelt so hohes Fastopfer zu spenden und verhieß, daß sich dafür auch die Geistigkeit in der Kirche verdoppeln werde. 1974 stellte Präsident Spencer W. Kimhall fest: „Es gibt jedoch keinen Grund dafür, warum nicht auch die zuletzt gegründete Gemeinde diesbezüglich größtenteils für sich selbst sorgen könnte, wenn alle entsprechend Fastopfer zahlen" (Leitfaden für das Melchisedekische Priestertum, 1976/77, S. 266). Und schließlich: Der Herr hat uns gesagt, daß derjenige nicht sein Jünger sei, der nicht der Armen und der Notleidenden gedenke (LuB 52:40) . Das Bezahlen des Fastopfers ist der uns vom Herrn vorgeschriebene Weg, wie wir zeigen sollen, daß wir uns der Armen erinnern und Christi Jünger sind.

    Natürlich ist es nicht immer leicht das Fastopfer zu bezahlen. Wie bei anderen Geldspenden, die wir für die Kirche leisten, kann dadurch unsere Glaubenstreue erprobt werden. Ein Bruder hatte einmal das folgende Erlebnis erzählt:

    „Ich studierte an der Universität Oxford in England und bereitete mich gerade auf den Rückflug in die Vereinigten Staaten vor. Ich hatte nur wenig Geld, mußte aber dreierlei tun : mein Fastopfer und meinen Anteil am Haushaltsfonds bezahlen, einen Koffer für meine Sachen kaufen und die Fahrt zum Flughafen bezahlen. Mein Geld reichte aber nur für zwei von diesen Ausgaben. Zunächst beschloß ich, mit dem Bezahlen des Fastopfers und meines Anteils am Haushaltsfond bis später zu warten, aber als ich in der Kirche war, fühlte ich mich dazu inspiriert, diese Spenden sogleich zu leisten, und so geschah es auch. Danach hatte ich genug Geld übrig, um mir entweder einen Koffer zu besorgen oder die Fahrt zum Flughafen zu bezahlen. Für beides reichte es nicht mehr. Später ging ich die Straße hinunter und bemerkte einen Mann, der einen Koffer trug. Ich fragte ihn nach dem Koffer und er erzählte mir, dass er im Begriff sei, ihn fortzuwerfen. Nachdem wir eine Minute miteinander geredet hatten, überließ er mir den Koffer, und mein Problem war gelöst. Für mich was dies eine Segnung, die als unmittelbare Folge davon eintrat, daß ich meine Spende für den Fastopfer- und den Haushaltsfonds geleistet hatte.“

    Ein anderer Bruder besuchte einmal eine Pfahl-Führerschafts-Versammlung, wo die Anwesenden aufgefordert wurden, ihr Fastopfer zu verdoppeln. Man verhieß ihnen dafür, daß ihr Einkommen dann steigen würde. Nach den Worten dieses Bruders geschah folgendes: 

    „Ich ging nach Hause und besprach diese Verheißung mit meiner Frau. Wir zahlten bereits ein ziemlich hohes Fastopfer. Zwar waren wir bereit, den Betrag zu verdoppeln, doch wollten wir es nicht für einen selbstsüchtigen Zweck tun. Nachdem wir gebetet und nachgedacht hatten, beschlossen wir, unser Fastopfer zu verdoppeln. Nicht lange danach boten sich mir in meinem Beruf unerwartete Möglichkeiten. Nach einem Jahr hatte sich mein Einkommen beträchtlich erhöht. Wir fühlten, daß dies in der Tat eine Segnung des Herrn war — die Erfüllung einer Verheißung, die wir durch einen seiner Diener erhalten hatten."

    Bemerkenswert ist an diesen beiden Fällen, daß die Betreffenden nicht aus Eigensucht gehandelt haben. Ihr wichtigster Beweggrund war der, daß sie dem Herrn dienen wollten. Sie waren bereit, Opfer zu bringen, um den Notleidenden zu helfen.

    Dieses Prinzip des Opferns bildet die Grundlage dafür, daß man das Gesetz des Fastens wahrhaft befolgt. Zwar hat man das Minimum dessen, was man als Fastopfer spenden soll, als den Gegenwert zweier Mahlzeiten definiert, doch hat Präsident Kimball auch ausgeführt: „Manchmal sind wir ein bißchen knauserig und rechnen, daß wir zum Frühstück ein Ei gegessen haben, was soundso viel Cent kostet, und das geben wir dann dem Herrn. Ich denke, daß wir, wenn wir wohlhabend sind, ganz, ganz großzügig sein sollen. .... und anstatt den Betrag zu geben, den wir durch die beiden Mahlzeiten, die wir gefastet haben, eingespart haben, sollten wir vielleicht viel, viel mehr geben ‑ zehnmal mehr, wenn wir in der Lage sind, es zu tun. Ich weiß, daß es einige gibt, die das nicht können" (Leitfaden für das Melchisedekische Priestertum, 1976/77, S. 266).

    Durch das Fastopfer werden nicht nur diejenigen gesegnet, die etwas erhalten, sondern auch diejenigen, die etwas geben. Präsident Kimball hat gesagt: „Wenn wir ein großzügiges Fastopfer geben, wird dies unser spirituelles und zeitliches Wohl fördern" (Der Stern, April 1978). Wir können das Zahlen des Fastopfers zu einem tieferen Erlebnis machen, indem wir folgendes tun:

    1. An dem Familienabend, der dem Fasttag vorausgeht, können wir über die Gründe sprechen, aus denen wir fasten, sowie darüber, warum wir ein Fastopfer geben sollen.

    2. Wir können unser Fasten einem bestimmten Zweck widmen. Wenn wir uns dafür entscheiden, daß wir um eine besondere Segnung für einen anderen Menschen bitten wollen, bekunden wir auf zweierlei Weise, daß wir es ernst meinen, nämlich dadurch, daß wir gewillt sind, ohne Essen auszukommen, sowie dadurch, daß wir bereit sind, Geld zu spenden. (Von kleinen Kindern wird nicht verlangt, daß sie fasten, doch kann man ihnen den Grundsatz erklären und sie schrittweise ins Fasten einführen.)

    3. Alle in der Familie können etwas zum Fastopfer beisteuern. Die Kinder können durch ihre Beteiligung daran etwas Wichtiges lernen. Die Tatsache, daß man etwas spendet, soll man dabei stärker betonen als die Höhe des jeweiligen Betrages.

    4. Man kann den Fastsonntag mit einem besonderen Gebet beginnen und beschließen.

    Es ist auch wichtig, daß alle in der Familie — ebenso wie Willard Smith lernen, daß die Fastopferspenden unmittelbar den Armen zugutekommen. Diese Mittel werden nicht für andere Programme der Kirche verwendet. Somit erfüllen sie eine entscheidende Aufgabe zugunsten bedürftiger Mitglieder der Kirche.

    Den entscheidenden Dienst, den der Fastopferfonds leistet, macht das folgende Beispiel deutlich. Eine Witwe, die drei kleine Kinder hatte, ging zu ihrem Bischof, weil sie Hilfe brauchte. Sie hatte kein Geld und schuldete vielen Geschäften in der Stadt Geldbeträge. Der Bischof schrieb ihren Gläubigern und erklärte ihnen die Lage. Daraufhin erließen ihr 15 von ihnen mindestens 50 Prozent dessen, was sie ihnen schuldig war. Im Laufe der nächsten drei Monate konnten mit Hilfe von mehreren hundert Dollar aus dem Fastopfer viele Schulden getilgt werden. Durch diese Unterstützung erhielt die Familie sowohl finanziell als auch geistig starken Auftrieb. In den folgenden Monaten und Jahren konnte sie sich auf einer vernünftigen wirtschaftlichen Grundlage entwickeln. Beide Söhne erfüllten eine Mission, und alle drei Kinder heirateten im Tempel. Weil zur rechten Zeit Fastopfergelder zur Verfügung standen und weil der Bischof diese geschickt einsetzte, konnte er dieser Familie helfen, zu einem normalen Leben zurückzukehren.

    Solche Fälle kommen in der Kirche häufig vor. Sie machen in immer stärkerem Maße die Segnungen deutlich, die dadurch eintreten, daß dir Mitglieder das Gesetz des Fastens befolgen: Bedürftige Mitglieder erhalten materielle Hilfe, woraus sie auch einen geistigen Gewinn ziehen, weil sie erkennen, daß man sie liebt. Und diejenigen, die Spenden leisten, wachsen geistig und werden gesegnet — dadurch, daß sie sowohl fasten als auch Geld spenden.

    Es gibt aber noch eine weitere Segnung, die wegen ihrer ewigen Bedeutung viel leicht wichtiger ist als alle anderen: Indem wir beim Fastopfer großzügig sind, bereiten wir uns auf das Gesetz der Weihung vor. Präsident Romney hat dies so ausgedrückt:

    „Während wir die Erlösung Zions und der Erde und die Einführung der Vereinigten Ordnung erwarten, sollen wir. . . streng nach den Grundsätzen der vereinigten Ordnung leben, soweit sie im gegenwärtigen Wirken der Kirche angewendet werden. Dazu gehören zum Beispiel das Fastopfer, der Zehnte und die Wohlfahrtsaktivitäten. Durch diese Einrichtungen könnten wir als einzelne, wenn wir dazu bereit sind, alle Grundprinzipien der Vereinigten Ordnung in unserem Leben verwirklichen" (Improvement Era, Juni 1966. S. 537).

    Ein wichtiger Teil unserer geistigen Entwicklung, die uns zum Gottestum führen soll, besteht darin, daß wir das Gesetz des Fastens korrekt befolgen. Dazu gehören das Fasten, das Beten und das Zahlen des Fastopfers. Auf das ewige Gesetz der Weihung sind wir erst dann vorbereitet, wenn wir die Grundsätze unseres jetzigen Wohlfahrtsprogramms uneingeschränkt befolgt haben.

    Jan 1980

    Ein Wunder für Schwester Stratton -- eine wahre Begebenheit

    Par Brigtte :: 13/05/2008 à 13:30 :: Fasten
     

    „Sie kann nichts mehr sehen! Durch das Fieber ist Schwester Stratton vollständig blind geworden!“ Die Neuigkeit verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der kleinen Pionierstadt in Virgin, Utah. Schwester Emily Amanda Gardner Stratton, die beliebte PV-Leiterin der Gemeinde Virgin, hatte nach einer überraschenden Krankheit ihr Augenlicht verloren. Fünfzehn Jahre lang hatte sie den Kindern in der Kleinstadt im Süden Utahs treu und liebevoll gedient. Außerdem hatte sie vielen Mitgliedern in Not geholfen. Und jetzt brauchte sie selbst Hilfe. Aber was konnten die Kinder und die Mitglieder der Gemeinde tun?


    Der Arzt am Ort hatte alles in seiner Macht Stehende für Schwester Stratton getan und der Familie dann geraten, sie ins nächstgelegene Krankenhaus zu bringen, das sich in St. George befand. Er hatte gemeint, sie hätte nur dann eine Chance, ihre Sehkraft zurückzugewinnen, wenn man sich im Krankenhaus um sie kümmerte.

    Über Wochen hinweg setzten die Ärzte alle bekannten Behandlungsmethoden bei Schwester Stratton ein, aber nichts half. Als auch der letzte Versuch fehlschlug, ließ Schwester Stratton ausrichten, daß sie wieder nach Hause wolle.

    Die Kinder und die in der PV tätigen Mitglieder hatten eifrig für ihre Genesung gebetet. Als sie erfuhren, daß die Ärzte aufgegeben hatten, nahmen sie sich noch fester vor, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um ihrer engagierten PV-Leiterin zu helfen.

    Irgend jemand schlug vor, für Schwester Stratton zu fasten. Die Kinder wußten, daß der himmlische Vater Schwester Stratton auf eine Art und Weise helfen konnte, die sich ihren Möglichkeiten entzog, wenn sie nur voller Glauben fasteten und beteten. Der himmlische Vater würde ihr Beten dann bestimmt erhören und Schwester Stratton gemäß seinem Willen helfen.

    Es war nicht so einfach, den ganzen Tag auf das Essen zu verzichten, aber selbst die kleinsten PV-Kinder fasteten und beteten für ihre PV-Leiterin, die alle so sehr liebten.

    Am Abend kamen alle in dem kleinen Gemeindehaus zusammen, um ihr Fasten mit einem Gebet zu beenden. Anschließend spürten sie großen Frieden und große Freude und wußten, daß der himmlische Vater ihr Beten erhört hatte. Als sie sich wieder auf den Nachhauseweg machten, erlebten sie einen wunderschönen Sonnenuntergang. Der ganze Himmel war rotgolden gefärbt.

    Ein paar Tage später rollte Schwester Strattons Kutsche laut quietschend über die holprigen Straßen in Richtung Virgin. Die Kinder und die Mitglieder, die in der PV dienten, liefen ihr entgegen, um sie zu begrüßen und ihr zu erzählen, daß sie für sie gefastet hatten.

    „Wann hat eure Fastenversammlung denn stattgefunden, Kinder?”, fragte Schwester Stratton.

    „Als die Sonne unterging”, rief ein Kind.

    Schwester Stratton sank erstaunt zurück. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, und sie sagte: „Als die Sonne an jenem Tag unterging, konnte ich zum ersten Mal, seit mir das Fieber das Augenlicht geraubt hatte, wieder sehen. Ja, Kinder, ich kann wieder sehen!”

    Das liebevolle Beten und glaubenstreue Fasten der PV der Gemeinde Virgin war mit einem Wunder beantwortet worden. Und Schwester Stratton konnte ihr ganzes restliches Leben lang ausgezeichnet sehen.

    Diane K. Cahoon, Mai 1999




    Regen zu seiner Zeit

    Par Brigtte :: 13/05/2008 à 13:13 :: Fasten

    Mit jedem Jahr meines Lebens verbindeich bestimmte Ereignisse. Das eine Jahr ist durch meine Eheschließung gekennzeichnet, das andere durch den Tod meines Vaters, wieder ein anderes dadurch, daß wir die Molkerei gebaut haben .. . Das Jahr 1977 war für mich das Jahr eines Wunders.

    Ich bin Farmer im Cache-Tal in Utah. Dort sind wir völlig vom Wetter abhängig, und 1977 herrschte eine große Dürre. Sie begann schon im Herbst 1976, als der übliche Schnee ausblieb. In unserem hochgelegenen Tal ist der Herbst nur selten trocken. und so nutzten wir ihn, um zu pflügen. schiefe Zäune zu reparieren, Felder zu planieren und sogar die Steine aus dem Ackerboden zu entfernen.

    Ende, Januar hatten wir noch immer keinen Schnee, selbst die Berge waren grau und kahl. Es war so kalt, daß der wenige Schnee. der einmal gefallen war, noch immer nicht fortgetaut war. Wir wußten, daß wir in Schwierigkeiten waren. In diesem Monat kamen die Pfahlpräsidenten der Region Logan mit Bruder M. A. Kjar, unserem Regionalrepräsentanten, zusammen. Es wurde ein besonderer Fasttag ausgerufen. Am Sonntag, dem 23. Januar, trafen sich die Mitgliederdes Pfahles Hyrum Utah zum erstenmal in ihrem neuen Gebäude. Bruder Kjar legte das Konzept für das Fasten dar, und unser Pfahlpräsident. Bruder Garth Lee. kündigte an, daß das Fasten am 26. Januar um 18 Uhr beginnen werde; am 27. Januar wollten wir einen Gebetsgottesdienst abhalten.

    Damit begann das Wunder. Wir fasteten bereitwillig. Über 50 Prozent der Mitglieder des Pfahles versammelten sich zu dem Gebetsgottesdienst alte Menschen, Männer und Frauen mit ihren Kindern, Jugendliche, Studenten. Wir sangen. Bruder Garth Lee betete im Namen der Versammlung darum, daß der Herr uns zu gegebener Zeit die notwendige Feuchtigkeit senden möge. Es war ein erbauendes Erlebnis, und ich war überzeugt, daß der Herr unser Beten gehört hatte.

    Die ersehnten Niederschläge fielen jedoch nicht in der Nacht darauf und auch nicht in den folgenden Wochen. Der Februar war warm, und der wenige Schnee, der noch lag, schmolz. Ich versuchte die gepflügte Erde zu bearbeiten, aber sie bestand aus harten Klumpen. Offenbar lautete die Antwort des Herrn: "Noch nicht", aber in unserer Ungeduld fiel es uns manchmal schwer, ihn zu hören.

    Mitte Februar erklärte der Gouverneur Utah zum Katastrophengebiet. Das gesamte Wirtschaftsleben war in Mitleidenschaft gezogen. Viele Fremdenverkehrsorte hatten keine Gäste angenommen. während andere nur eine beschränkte Anzahl von Urlaubern aufnahmen. Die Reifenhändler stellten ihre Winterreifen aus, als fänden diese reißenden Absatz. Die Ortsverwaltungen forderten die Bürger auf, den Wasserverbrauch einzuschränken. Die Zweifler fingen an, sich über diejenigen zu mokieren, die Gott vertrauten. Einer von ihnen schrieb sogar an die örtliche Zeitung und fragte, oh wir nicht wüßten, daß nicht Gott, sondern die Natur das Wetter bestimmt.

    Die Zweifler wußten jedoch nicht, daß die Mitglieder der Kirche weiterhin beteten und fasteten. Immer wieder schlug ich die Schriftstelle auf, worin der Herr seinem Volk verheißt: "Werdet ihr in meinen Satzungen wandeln und meine Gebote halten und tun, so will ich euch Regen geben zur rechten Zeit, und das Land soll sein Gewächs geben und die Bäume auf dem Felde ihre Früchte bringen" (3. Mose 26:3. 4). 

    Im März entfaltete sieh unser Glaube von neuem. Es gab mehrere gute Schneefälle, wie es für diesen Monat normal war. Während der letzten Märzwoche hatten wir klares und warmes Wetter; die Erde trocknete schnell, und mit dem Pflug verwandelte man die ursprünglich harten Erdklumpen in gute, für die Aussaat geeignete Beete. Am 21. und 22. März säte ich auf 181/2 Hektar Gerste aus, und eine Woche später wurden wir mit der Getreidesaat auf der Pfahl-Wohlfahrtsfarm fertig.

    Die Prüfung begann von neuem. Der April verging, und es fiel so gut wie kein Regen. Die Pfahlkonferenz fand statt, und Bruder Lee entließ uns mit den beruhigenden Worten: "Bepflanzen Sie Ihr Land, der Herr hat unser Beten erhört."

    Der Porcupine-Stausee war jetzt kaum zur Hälfte gefüllt, und der Zustrom aus den Bergen hatte bereits aufgehört. Der Wasserspiegel war im März nur um 15 bis 20 cm gestiegen, und die Experten sagten einen vollständigen Verlust der auf unbewässertem Land gezogenen Feldfrüchte voraus. Der Ernteverlust auf den bewässerten Feldern wurde mit 50 Prozent veranschlagt. Örtliche für Angelegenheiten der Bewässerung zuständige Ausschüsse entwarfen Pläne für die Rationierung des Wassers im Sommer. Inzwischen fuhren wir fort, auf öffentlichen Versammlungen und im stillen zu beten.

    Vom 5. Mai an zeigte uns der Herr, daß er unser Beten erhört hatte. Niemand von uns konnte daran zweifeln. Es war, als hätte der Herr gewartet. bis unser Glaube gründlich geprüft wäre, und ihn dann voll anerkannt. Tag für Tag fiel Regen auf unsere jungen Pflanzen. Dieser Mai wurde der niederschlagreichste Monat in der beurkundeten Geschichte unseres Tals, und wir brachten eine der besten Heuernten ein, die es in diesem Tal je gegeben hat.

    Offiziell gilt dieses Jahr als Dürreperiode, und im statistischen Sinne war es dies auch. Der Regen kam jedoch in der gleichen Weise wie das Manna vorzeiten zu den Israeliten jeden Tag gerade soviel, wie notwendig war, niemals mehr. Jedesmal, wenn eine Saat Luzernen reif wurde, fragten wir uns, ob die Feuchtigkeit auch für eine weitere Ernte ausreichen würde. Jede Ernte entsprach den Durchschnittswerten oder übertraf sie sogar.

    Als die Erntezeit zu Ende ging, waren unsere Scheunen bis zum Bersten gefüllt. Die Pfahl-Wohlfahrtsfarm hatte das beste Jahr in ihrer Geschichte erlebt, und das gleiche traf auch auf meine Farm zu. Die Scheunen und Kornspeicher waren voll, und mein Herz war von Dankbarkeit erfüllt.

    Auf Weisung unseres Pfahlpräsidenten versammelten sich die Mitglieder des Pfahles am 22. September erneut, diesmal, um dem Herrn für seine Barmherzigkeit zu danken. Auch jetzt fanden sich ungefähr 50 Prozent der Mitglieder ein, um an dem Dankgebet teilzunehmen. Ich verließ die Versammlung mit einem friedlichen Gefühl. Mein Glaube und mein Zeugnis waren durch diese Prüfung gestärkt worden; nie wieder würde ich an Wundern zweifeln. Nun war mir völlig klar, was die bekannte Schriftstelle bedeutet: "Und in nichts beleidigt der Mensch Gott, und gegen niemand ist des Herrn Zorn entflammt als gegen solche, die nicht in allen Dingen seine Hand anerkennen und die seinen Geboten nicht gehorchen" (LuB 59:21).

    Während ich nach Hause fuhr, merkte ich plötzlich, daß Regentropfen auf die Windschutzscheibe fielen.

    David Carl Danielson, Februar, 1979

    Ein Wagen voller Fastopfer

    Par Brigtte :: 13/05/2008 à 13:09 :: Fasten
     
      Was machen die Diakone zu Beginn des 20. Jahrhunderts? Ein Bruder erinnert sich an diese Zeit zurück. Seine Geschichte sollte Träger des Aaronischen  Priestertums in unserer Zeit besonders interessieren.
      Ich wurde zum Diakon ordiniert, und es dauerte keine zehn Minuten, da erhielt ich auch schon einen Auftrag.

    Ich wurde von meinem Vater ordiniert. Der Bischof, einer seiner Ratgeber und der Berater der Diakone standen ihm zur Seite. Nach der Ordinierung gratulierten mir die Brüder, und ein jeder gab mir einen guten Rat. Als aber der Berater der Diakone an der Reihe war. hielt er nicht erst eine lange Rede, sondern sagte einfach:

    „Ich gebe dir jetzt deinen ersten Auftrag als Diakon. Am nächsten Samstag gehst du mit Fred Edwards Fastopfer einsammeln. Ihr trefft euch bei Bruder Pehrsons Haus um zehn. Wenn ihr bei der Sache seid und nicht allzuviel spielt, müßtet ihr zu Mittag fertig sein."

    Dann gingen wir miteinander den Gang entlang zur Klasse der Diakone. Damals fand die Priestertumsversammlung am Montagabend statt. Nach der Versammlung lief ich aufgeregt nach Hause und berichtete meiner Mutter von meinem Auftrag.

    Sie fing auf der Stelle an zu planen: „Hole das weiße Hemd aus der Wäschetruhe. Ich muß es vor Samstag waschen und bügeln. Du kannst den Overall tragen, den wir letzte Woche gekauft haben. Wenn es nicht vorher regnet, kannst du deine Sonntagsschuhe anziehen.”

    Die Zeit bis Samstag wollte einfach nicht vergehen. Manchmal wartete ich ungeduldig, und dann hatte ich wieder ein wenig Angst. Ich hoffte, die Mitglieder würden nicht meinen, ich wolle betteln, wenn ich um das Fastopfer bat.

    Damals wurde das Fastopfer (und der Zehnte) oft in Naturalien gegeben. Die Leute gaben Eier, Butter, Mehl, Brot, Gemüse oder irgendetwas anderes, was die Mitglieder der Kirche im Garten zogen oder selbst herstellten. Diese Spenden wurden in das Lagerhaus des Bischofs gebracht und dann an Notleidende verteilt. Obwohl Bruder Pehrson nur drei Straßen weiter wohnte und ich erst um zehn dort sein sollte, weckte mich Mutter um sieben. Erst mußte ich baden, was sonst immer später am Samstag erledigt wurde. Dann mußte ich meine Schuhe putzen, durfte jedoch die Schuhe und den neuen Overall erst kurz vor dem Weggehen anziehen. Als ich das saubere, gestärkte Hemd, den neuen, noch steifen Overall und die engen Sonntagsschuhe anhatte, dachte ich, ich könnte nun gehen. Doch nein: Auch eine Krawatte mußte ich tragen!

    Keine Inspektion beim Militär kann strenger sein als die meiner Mutter damals. Sie sah sich meine Ohren innen und außen an und kämmte mir immer wieder das Haar. Ich stand mit einem gezwungenen Grinsen da, als sie meine Zähne ansah.

    „Paß' auf den Overall auf”, warnte sie mich, als ich aus der Tür ging. „Mach' dich nicht mit Mehl schmutzig. Sei höflich. Sage ,bitte', wenn du um das Fastopfer bittest, und ,danke', wenn du es bekommst. Wenn dich jemand ins Haus bittet, nimmst du deine Kappe ab, und kämme dich hin und wieder. Und wenn Schwester Schulz zu Hause ist, frage sie. ob du ihr etwas helfen kannst. Sieh zu, daß du um zwölf zurück bist; wir haben heute noch eine Menge Arbeit.”

    Fred war schon bei Bruder Pehrson, als ich hinkam. Er hatte seinen „Expreß"-Leiterwagen mitgebracht, auf dem wir das Fastopfer verstauen sollten. Bruder Pehrson hat uns ins Haus und gab Fred ein Notizbuch, einen Mehlsack und eine riesige Blechbüchse

    .„Das ist ein Maß”, klärte er uns auf. „Es faßt genau einen Kilo Mehl. Die meisten Mitglieder geben Mehl als Fastopfer. Wenn sie diese Dose mit Mehl füllen, dann schüttet ihr es in diesen Sack und schreibt ein Kilo Mehl auf. Wenn sie auch etwas anderes geben, Eier oder Butter, schreibt auch das mit dem Namen des Spenders auf. Wenn jemand nicht zu Hause ist. ist er vielleicht nächstesmal da und gibt euch dann das Fastopfer für zwei Monate.”

    Fred steckte das Notizbuch und den Bleistift in die Hemdtasche und legte den leeren Mehlsack auf den Wagen. Da er der Senior von uns beiden war (er war vier Monate zuvor zum Diakon ordiniert worden), mußte ich den Wagen ziehen.

    Zuerst gingen wir zu Bruder Anderson, der eine Straße von Bruder Pehrson entfernt wohnte. Fred machte das Gartentor auf und ich zog den Wagen vor die Veranda. Schwester Anderson machte auf, als wir klopften.

    „Jaja, wir haben einen neuen Diakon, nicht wahr?”, sagte sie, als sie Fred die Büchse aus der Hand nahm. „Wie geht es deiner Familie. Chris? Und deiner. Fred? Bevor wir antworten konnten. ging sie ins Haus und kam dann mit der vollen Mehldose zurück.

    Fred nahm das Notizbuch heraus und schrieb: „Schwester John Anderson, ein Kilo Mehl.”

    Als wir wieder auf dem Bürgersteig waren. sagte Fred: „Du hast gesehen, wie ich das gemacht habe.” Damit überreichte er mir das Notizbuch und den Bleistift. „Der Junior führt immer Buch und zieht den Wagen.”

    „Aber ich kann nicht so gut schreiben wie du”, protestierte ich. „Schreibe eben langsam, damit man's lesen kann. Und schreibe auf jeden Fall die Namen richtig”. erwiderte er unbarmherzig.

    Als nächstes kamen wir zum Haus Mary Olsens, einer Witwe. Sie bat uns ins Haus und hieß uns auf ihren besten Stühlen im Wohnzimmer Platz nehmen. Aus einem Bücherschrank nahm sie die Photographien zweier Männer.

    „Das sind meine beiden Jungen. Sie sind beide verheiratet und sind weggezogen, aber sie waren einmal beide Diakone wie ihr. Sie haben auch jeden Monat das Fastopfer eingesammelt. Ich war so stolz auf sie.”

    Dann ging sie in die Küche und kam mit einer Dose voll Mehl zurück. Jedem von uns gab sie ein halbes Stück Kuchen. „Eßt das draußen, damit ihr keine Krümel auf den Boden macht.”

    Sie ging bis zum Wagen mit und trug das Maß Mehl, das sie selbst in den Sack schüttete. „Bis nächsten Monat”, sagte sie, als wir gingen.

    Ich hielt das Notizbüchlein gegen einen Zaunpfosten und trug so sorgfältig ich konnte mit großen Buchstaben ein: „Schwester Mary Olsen, 1 Kilo Mehl.”

    Ich klopfte an die nächste Tür. Es war das Haus von Bruder Carl Christensen. Seine Tochter Ruby ging in meine Klasse. Sie machte auf.

    „Mama ist nicht zu Hause”, sagte sie und blickte uns durch den Türspalt an. Dann schlug sie die Tür laut zu, bevor ich etwas sagen konnte.

    „Schreibe auf, daß Schwester Christensen nicht zu Hause war”, sagte Fred. „Nächsten Monat gibt sie uns sicher zwei Maß Mehl.” Dann fügte er unerwartet hinzu: „Gehen wir über die Straße zu Herrn Simpson.”

    „Aber er ist doch kein Mitglied”, warf ich ein.

    „Er ist ein lieber alter Mann. und ich rede gerne mit ihm. Auch gibt er immer etwas.” Ich hatte mit Herrn Simpson noch nie gesprochen, ja, ich hatte sogar ein wenig Angst vor ihm. Ein hoher Zaun aus Weidengeflecht umgab seinen Garten, und man konnte nicht hineinsehen. Ich hatte ihn nur ein paarmal gesehen, wenn er auf der Straße vorüberging. Doch wußte ich, daß er einen Hund hatte, der laut bellte. Fred klopfte an die Tür und eine rauhe Stimme sagte: „Herein!”

    Fred machte auf, und wir gingen hinein. Am Ende des Raumes saß Herr Simpson, den Arm auf den Tisch gestützt. Auf dem Tisch lag ein gewachstes Tischtuch. Neben ihm saß der größte und schwärzeste Hund, den ich je gesehen hatte.

    Der Hund knurrte und wollte aufstehen. Herr Simpson befahl ihm: „Still, Diablo!” (Erst Jahre danach fand ich heraus, was Diablo bedeutet. Kein anderer Name hätte so gut zu dem Hund gepaßt.)

    „Wer ist dein Freund?" fragte Herr Simpson.

    „Das ist Chris. Er hilft mir das Fastopfer einsammeln.”

    „Guten Tag”, sagte ich, indem ich mich auf die vorderste Kante eines Stuhls setzte. Fred hatte es sich bereits in einem großen Schaukelstuhl bequem gemacht.

    Ich schaute zuerst an die Decke, dann auf den Fußboden, dann blickte ich mich im übrigen Zimmer um. An der Wand über dem Tisch hing eine riesige Flinte mit einem Schloß, wie ich es noch nie gesehen hatte. Herr Simpson merkte, daß ich mich dafür interessierte.

    „Das ist ein Vorderlader”. sagte er. „Er wurde im Bürgerkrieg benutzt.”

    Im Bürgerkrieg! Das schien Jahrhunderte zurückliegen. In Wirklichkeit war es erst an die fünfzig Jahre her.

    Ich war von dem Gewehr so fasziniert, daß ich beinahe vergaß, was eigentlich unser Auftrag war. Doch als mir dieser wieder einfiel, sagte ich zu Fred: „Wir müssen das restliche Fastopfer einsammeln.”

    „Kommt nur wieder, wann es euch gefällt”, sagte Herr Simpson, als wir gingen.

    ,Hier, gebt das Alf", sagte er noch und gab uns 25 Cent. „Ihr braucht es nicht aufzuschreiben. Ich gehöre ja nicht zu eurer Kirche.”

    „Wer ist Alf?”, fragte ich Fred, als wir wieder auf der anderen Straßenseite waren. „Das ist Bruder Pehrson. Er heißt mit Vornamen Alfred.”

    Wir befanden uns nun vor dem Gartentor Bruder Ed Petersons. Als ich anklopfte und um das Fastopfer bat, gab mir Schwester Peterson einen klobigen Stoffsack.

    „Hier habt ihr ein Dutzend Eier. Wenn jemand in Not ist, kann er mehr damit anfangen, als mit ein wenig Mehl. Laßt sie nicht fallen”, warnte sie uns.

    Als nächstes stand die Familie John Jacobsen auf unserer Liste. Sie waren jung verheiratet, und obwohl sie auf uns einen Eindruck mittleren Alters machten, dürften sie in den Zwanzigern gewesen sein. Sie kam an die Tür und hatte das hübscheste Kleid an, das ich je gesehen hatte. Sie gab uns einen Stoffsack.

    „Es ist ein Laib Brot, den ich gerade gebacken habe”, sagte sie.

    Ich spürte die Wärme des Brotes durch den Sack und der frische Brotduft war köstlich. Ich hoffte, man und Bruder Jorgen Olsen auf der Liste. Sie gaben uns beide etwas Mehl.

    Zuletzt kamen wir zum Haus von Schwester Sena Schulz. Mutter hatte mir aufgetragen, ich solle sie fragen, ob ich ihr irgend etwas helfen könne, doch bevor ich ein Wort herausbrachte, sagte sie schon: „Kommt nur 'rein, Jungen. Natürlich habe ich etwas für euch, aber könnt ihr mir einen kleinen Gefallen tun. bevor ich es hole?”

    „Klar. Was denn?”

    „Eines meiner Lämmer ist aus dem Stall entwischt, und ich kann es alleine nicht mehr einfangen. Fred, geh du in diese Ecke des Gartens und du Chris, gehst auf die andere Seite. Gemeinsam scheuchen wir es dann in den Stall zurück."

    Fred und ich fuchtelten mit den Armen und schrien. Schwester Schulz schwenkte ihre Schürze und rief: „Schu, schu!”

    Das Lamm dachte wahrscheinlich, wir wollten mit ihm spielen. Es rannte hin und her, und manchmal machte es einen Luftsprung und wirbelte den Schwanz. Es dauerte gewiß eine halbe Stunde, bis wir es im Stall hatten. Dann brachte Schwester Schulz Bretter und einen Hammer, und Fred und ich vernagelten das Loch in der Stallwand.

    „Danke, Jungs”. sagte sie dankbar. „Wenn ihr mir nun ein wenig Kleinholz zum Anheizen schneidet, backe ich euch zum Lohn ein paar Waffeln.”

    Wir dankten ihr und erklärten, daß wir unsre Arbeit zu Ende bringen mußten, weil wir auch zu Hause unsere Pflichten hatten. „Ach, wartet noch einen Augenblick, ich habe etwas vergessen.” Sie griff in ihre Schürze und zog einen Briefumschlag hervor, der doppelt gefaltet und dann mit Bindfaden umwickelt war. Darauf stand: „Zehn Cent Fastopfer von Sena Schulz.” „Sie hat immer etwas zu tun für uns”, sagte Fred, als wir zu Bruder Pehrsons Haus zurückgingen.

    Bruder Pehrson sah sich unsere Aufzeichnungen an. „Also. Vier Kilo Mehl. ein Dutzend Eier, ein Laib frisches Brot und 35 Cent in bar. Sicht aus, als hättet ihr gut gearbeitet. Ich bin sicher, daß irgend jemand, dem es schlecht geht, sehr dankbar sein wird, daß ihr all dies gesammelt habt.”

    Dann rief er in das Nebenzimmer: „Mutter, meinst du nicht, zwei fleißige Diakone brauchen eine Belohnung?”

    Einen Augenblick später kam Schwester Pehrson mit einem Teller Keks, einem Krug Milch und zwei Gläsern heraus. Sie stellte alles auf den Tisch und sagte, wir sollten zugreifen.

    Nachdem ich gegessen hatte, verabschiedete ich mich von Fred und lief nach Hause.

    „Wir war's?” fragte Mutter, als ich heimkam.

    „Gut”, gab ich zur Antwort.

    Doch das war ihr nicht genug. Ich mußte ihr jede Kleinigkeit erzählen. Die Geschichte von Schwester Schulz und dem Lamm machte ihr besonderen Spaß. (Als Vater am Abend heimkam. mußte ich alles wiederholen.)

    Plötzlich sagte sie: „Aber jetzt zieh' das weiße Hemd aus. Wenn du es nicht allzu schmutzig gemacht has,. kannst du es morgen tragen, wenn du das Abendmahl austeilst. Und putze die Schuhe, und zieh wieder die alten Kleider an. Vergiß nicht, daß du nicht alle Arbeiten erledigt hast, als du heute morgen weggegangen bist.”

    So endete mein erster Tag, an dem ich das Fastopfer mit einem Wagen einsammelte. Das war 1920.

    Chris Jensen, Juni 1980

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